Musik

Graf von Hoensbroech wird Geschäftsführer des Konzerthauses

Die Personalie wurde jetzt auf den letzten Drücker mitgeteilt. Bereits ab August wird Raphael Graf von Hoensbroech neuer Geschäftsführer des Konzerthauses sein.

Er löst Georg Vierthaler ab, der als Generaldirektor zur Stiftung „Oper in Berlin“ wechselt. Graf von Hoensbroech ist der Wunschkandidat von Konzerthausintendant Sebastian Nordmann, der gestern seinen eigenen Vertrag bis 2019 verlängert hat. Der Berliner Senat hat sich damit entschieden, das Konzerthaus in feste Hände zu geben. Was Nordmann und Hoensbroech auf den ersten Blick verbindet: Beide sind relativ jung für eine solch altehrwürdige Kulturstätte mit historischem Gebäude, eigenem Orchester und pro Saison 550 Veranstaltungen mitten in Berlin. Nordmann ist Jahrgang 1971, Graf von Hoensbroech wurde 1977 in Tokyo geboren.

Mehr Service fürs Publikum

„Wir denken ähnlich“, sagt Nordmann über seinen neuen Geschäftsführer. Beide wollen Neues ausprobieren. Zuletzt hat Graf von Hoensbroech für die Boston Consulting Group (BCG) in Köln gearbeitet. Die Unternehmensberatung ist in Deutschland die große Konkurrenz von McKinsey und Roland Berger. Hoensbroech hat Nordmann gleich zu Beginn seiner Amtszeit 2009 in Berlin geholfen. Im Rahmen eines Pro-bono-Projekts der BCG wurde die neue Strategie fürs Konzerthaus überprüft. Heraus kam unter anderem die 2012 eingeführte Konzerthaus Card, die einen umfassenden Service fürs Publikum verspricht. Aber auch „in Bezug aufs Personal“ will Nordmann mit dem Neuen etwas verändern. Es gehe darum, die Mitarbeiter fester ans Haus zu binden, zu motivieren. Denn finanziell ist Berlin nicht immer der attraktivste Ort für gute Leute.

Der gebürtige Kieler Nordmann ist von Hause aus Musikwissenschaftler und hat nach seiner Promotion über das Schleswig Holstein Musikfestival selbst zwei Jahre lang für die Boston Consulting Group gearbeitet. Er sei dort als Musikwissenschaftler ein totaler Exot gewesen, sagt Nordmann. Dann wurde er Festivalchef in Mecklenburg-Vorpommern und schließlich Intendant in Berlin. Graf von Hoensbroech hat über Mendelssohn Bartholdys unvollendetes „Christus“-Oratorium promoviert und arbeitet sei 2003 für die BCG. Dort hat er unter anderem für Unternehmen einen Orchester-Workshop entwickelt, der das Thema Führen aus der Perspektive von Dirigenten erklärt. Jetzt wechselt der Unternehmensberater in den etablierten Kulturbereich. Nordmann wie Hoensbroech stehen für einen neuen Typus von Kulturmanagern, die sich gleichermaßen in den Künsten wie in wirtschaftlichen, rechtlichen und Marketingdingen auskennen.