Erzählungen

Alkohol und Drogen werden konsumiert wie Fast Food

Leben möchte man da nicht. Und vielleicht möchte man auch den Menschen, die da leben, lieber in der Literatur als auf der Straße begegnen.

Knockemstiff heißt ein Kaff in Ohio, das irgendwann zwischen den Weltkriegen zu seinem absonderlichen Namen kam. Der 1954 geborene Donald Ray Pollock kennt ihn genau; man geht nicht fehl, wenn man den Schauplatz seiner Erzählungen Ähnlichkeiten mit jenem realen Dorf in Ohio unterstellt, in dem er aufgewachsen ist.

Alle Figuren, die das Schicksal hierher verschlagen hat, sind ohne „jede Aussicht auf eine lebenswerte Zukunft“. Berufliche Perspektiven gibt es nicht; man konsumiert Alkohol und Drogen wie Fast Food, hat Sex mit der eigenen Schwester oder einer Puppe oder schlägt sich die übrig gebliebenen Zähne aus. Natürlich versuchen manche das gottverdammte Nest zu verlassen, doch den Wenigsten gelingt und bekommt das: „Sie war gerade mal drei Tage verschwunden, da bekam Sharon einen Anruf von einem Kriminalbeamten in Milton. Die Leiche ihrer Mutter war in einem Müllcontainer hinter einem Pancake-Restaurant gefunden worden.“

Schonungslos seziert Pollock den trostlosen Alltag seiner Protagonisten und lässt nichts aus, um deren psychische und physische Gebrechen en détail zu schildern. Mit bestechender Anschaulichkeit beschreibt er, wie ein Junge seinen immer gleichen Einkauf in die Hosentasche schiebt, wie ein anderer versucht, ein überfahrenes Huhn über einem brennenden Autoreifen zu grillen, ein Vater seinen Sohn mit Präparaten zu Tode spritzt, um ihn zum Mr. South Ohio zu machen.

Donald Ray Pollock: Knockemstiff. A. d. Engl. von Peter Torberg. Liebeskind, München. 256 S., 18,90 Euro