Bestseller

So viel Geld braucht man zu einem guten Leben

Es reicht! Wir haben genug!

Was nach klassischer Empörungsrhetorik klingt, nach Uns-platzt-gleich-der-Kragen oder doch wenigstens nach Burn-out-Syndrom, ist bei Vater und Sohn Skidelsky – Robert ist ein bekannter Ökonom, Edward Professor für Sozialphilosophie – verblüffenderweise eine gute Nachricht: Es reicht zum Leben, das ist die Ausgangsthese ihres Bestsellers „Wie viel ist genug?“. Wir haben - rein rechnerisch - genug zum Glück. Zumindest in den entwickelten Gesellschaften.

Man mag das nun für ein Paradox halten oder nicht, aber Kapitalismuskritik ist gut verkäuflich, und diese ist bis zur Sturheit deutlich formuliert: „In Kapitel 1 haben wir als hauptsächliche Antriebskräfte der Tretmühle Arbeit die überlegene Macht des Kapitals im Vergleich zur Arbeit sowie unseren – von der Werbung befeuerten – unersättlichen Hunger auf Konsumgüter identifiziert.“ Es muss den Leuten wirklich reichen, damit so was auf der Bestsellerliste landet. Oder ist es etwa gar nicht der wackere Keynesianismus der Autoren, der die Leser in Scharen an die Ladenkasse treibt? Immerhin hat „Wie viel ist genug?“ auch eine Art Ratgeberteil. Im Untertitel verspricht das Buch eine „Ökonomie des guten Lebens", und nach knapp 200 Seiten weiß es sogar, „was zu einem guten Leben gehört“: Gesundheit, Sicherheit, Respekt, Persönlichkeit (wozu diverse Persönlichkeitsrechte zählen) sowie Harmonie mit der Natur und Freundschaft. 46.000 Euro jährlich, so haben es die Autoren berechnet, reichten zur Befriedigung durchschnittlicher Bedürfnisse – der Rest ist Sein statt Haben und für Geld nicht zu kaufen.

Edward und Robert Skidelsky: Wie viel ist genug? Verlag Antje Kunstmann, München, 318 Seiten, 19,95 Euro