Film

Da muss man ja nostalgisch werden

Wiederzuentdecken: Ein Filmklassiker, der vor 50 Jahren im Flughafen Tempelhof entstand

Über die Witze, in welchem Jahrzehnt der BER-Flughafen eröffnet wird, kann Berlin schon lange nicht mehr lachen. Ein kleiner Trost immerhin ist es, wenn man in diesen Tagen noch einmal zentral von Tegel aus in den Urlaub starten kann. Und ein bisschen Wehmut kommt schon auf, wenn man an Tempelhof denkt, auch wenn wir das einstige Rollfeld inzwischen auch begeistert zum Radeln und Picknicken nutzen. Ein alter Film erinnert noch einmal an die Tage von einst: „Die endlose Nacht“ von 1963, der erst seit kurzem, nach gut 50 Jahren, als DVD vorliegt (bei Universum) und damit neu entdeckt werden kann.

Will Tremper, der ihn vor Ort inszenierte, immer nachts zwischen der letzten Landung und dem ersten Flugstart, war damals seiner Zeit weit voraus. Die zahllosen Airport-Filme, überwiegend aus den USA, kamen erst in den siebziger Jahren auf. Und die brillanten Schwarzweiß-Bilder dieses deutschen Films erhöhen die Patina, die Weißt-du-noch-damals?-Nostalgie.

Gleichwohl läuft auch in diesem Film gar nichts am Flughafen. Dichter Nebel zieht auf, und die Passagiere, die noch den letzten Flieger nehmen wollten, stecken fest, irren herum, warten und warten. Da gibt es eine Gattin, die mit dem italienischen Geliebten aus ihrer Ehe fliehen will (immer aktuell), und einen Spekulanten, der sich verzockt hat und über Nacht Geld auftreiben muss (auch wieder sehr aktuell). Eine russische Band, die spontan für die anderen spielt, und eine Reisebüroangestellte, die unverhohlen mit einem Kunden anbandelt.

Zu einer Zeit, als der deutsche Film seine Höhenflüge ziemlich hinter sich hatte und am Boden lag, kam Will Tremper auf die geniale Idee, einfach etwas journalistischer, realistischer Stimmungen einzufangen. Sein Episodenfilm, der damals einen Achtungserfolg, aber nicht mehr erzielte, ist heute ein echtes Zeitdokument. Bietet er doch einen kühl-kritischen Blick auf die bundesdeutschen Realitäten, der ziemlich selten ist aus jenen Tagen. Man staunt auch, wer da alles mitspielt, von Harald Leipnitz über Schlagersänger Bruce Low bis zu Karin Hübner, die damals gerade am Theater des Westens mit „My Fair Lady“ Triumphe feierte. Vor allem aber Hannelore Elsner, die hier ihre erste größere Rolle spielte und den Film noch heute als einen ihrer besten bezeichnet.

Für den Berliner ist dies aber vor allem eine sentimentale Reise in die Vergangenheit: Guckt mal, wie die Leuchtschrift „Zentralflughafen“ blinkt! Wie damals die Halle aussah mit seinem Café und den kleinen Lädchen. Wie man noch ungeniert rauchen konnte (und ungeniert gebechert hat). Und wieviel Betrieb da noch herrschte. Alles unweigerlich vorbei. In Tegel ist ein ähnlicher Film nie entstanden. Und einen Verweis zum BER verkneifen wir uns an dieser Stelle lieber gleich.