Musik

„Sinatra des Blues“: Bobby Bland stirbt mit 83 Jahren

Bobby „Blue“ Bland besaß die schönste Stimme, die es im Blues je gegeben hat.

Ein am Gospel geschultes Organ von majestätischem Umfang, das Kritiker zu den schiefsten Sprachbildern inspirierte: Von „schwarzer Seide“ war die Rede, vom „zärtlichen Vulkan“. Es war ein Crooning wie bei Nat King Cole oder Perry Como. Er galt als „Sinatra des Blues“, weil er das unterkühlte Phrasieren beherrschte wie ein Jazzsänger, aber auch explodieren konnte, als wäre der Heilige Geist in ihn gefahren.

Die Ekstase kannte Bland aus seiner Kindheit in der Kirche. Zu seinem Markenzeichen wurde sie jedoch erst, nachdem er sich nach seinen ersten Aufnahmen einer Mandeloperation unterziehen und als Sänger neu erfinden musste: Die hohen Töne traf er nicht mehr, seine Stimme war tiefer geworden. Als neues Stilmittel lernte er bei C. L. Franklin, dem Vater von Aretha Franklin, den „Squall“ kennen. Niemand hat diesen Gospel-Schrei treffender beschrieben als der Journalist Sean Elder: „Ein nervöses Zucken der Stimme, halb Schrei, halb Räuspern, das wie das Vorspiel zu einem Herzstillstand klingt.“

Unter Popmusikern genoss Bland einen legendären Ruf: So unterschiedliche Bands und Künstler wie Grateful Dead, David Bowie, Whitesnake und Eric Clapton haben seine Songs gesungen und gespielt. Van Morrison verdankt seine Karriere einer Version von „Turn On Your Lovelight“. Mick Hucknall von Simply Red hat vor Jahren gleich ein ganzes Album mit Blands Klassikern aufgenommen, „Tribute to Bobby“. Auch im Hip-Hop ist Bland angekommen: 2001 hat Jay-Z sein „Ain’t No Love (In The Heart Of The City“) versampelt.

Nie jedoch hat ihm sein legendärer Ruf einen längerfristigen Erfolg im Rock- und Popgeschäft beschert. Anders als B.B. King schaffte er nie den Sprung von den Klubs und Festivals der schwarzen Musik in die allamerikanischen Arenen. Bobby Bland war zwar bis zuletzt aufgetreten, aber schon Ende der Sechzigerjahre war seine beste Zeit vorüber. Wichtige Musiker verließen ihn, er verfiel dem Alkohol, und Duke Records, seine Plattenfirma, wurde verkauft.

Am Sonntag nun ist Bland nach längerer Krankheit in Memphis, der Mutterstadt des Blues, gestorben. In einem Radio-Interview sagte Bobby Bland vor drei Jahren: „Ich möchte einmal in Erinnerung bleiben als guter, alter Country Boy, der sein Bestes gab, anderen zuzuhören und zu helfen, wenn sie traurige oder glückliche Momente durchlebten.“ Bobby „Blue“ Bland wurde 83 Jahre alt.