Theater

Streit ums Berliner Ensemble: Senat hält Kündigung für nichtig

Land lässt sich von Rechtsanwalt Peter Raue vertreten

Zehn Tage wurde geprüft, dann ging das Schreiben raus: Im Streit um die Zukunft des Berliner Ensembles hat die Senatsverwaltung für Kultur den Rechtsanwalt Peter Raue damit beauftragt, zu der Kündigung Stellung zu nehmen. Demnach hat Raue „unsere Rechtsauffassung dargelegt und begründet, warum wir die Kündigung für nichtig erachten“, sagte Günter Kolodziej, der Sprecher der Senatskulturverwaltung, gestern auf Anfrage. Die „Erwiderung“ sei am Mittwoch auf den Weg gebracht worden.

Vor knapp zwei Wochen hatte Rolf Hochhuth der Senatsverwaltung überraschend den Mietvertrag für das Berliner Ensemble fristlos gekündigt, verbunden mit der Aufforderung, das Theater besenrein zu übergeben. Die Immobilie wurde in den 90er-Jahren restituiert, Hochhuth hatte Kontakt mit den jüdischen Erben aufgenommen und erwarb das Theater über die von ihm gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung. Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles, ist lediglich Untermieter.

Der Senat hatte nach dem Eingang der Kündigung erklärt, das Schreiben zunächst ausführlich schriftlich zu beantworten und auf eine Feststellungsklage zu verzichten. Damit könnte man, vorausgesetzt das Gericht überzeugt die Argumentation, die Kündigung für unwirksam erklären lassen und „Rechtssicherheit für das Berliner Ensemble schaffen“, wie die Grünen-Kulturpolitikerin Sabine Bangert vergangene Woche im Abgeordnetenhaus sagte.

Hochhuth könnte seinerseits handeln und eine Räumungsklage einreichen. Die diesjährige Saison des Berliner Ensembles endet am 7. Juli, es sieht nicht danach aus, dass die Spielzeit vorzeitig beendet werden muss.

Laut Kolodziej ist Raues Stellungnahme zur Kündigung am Mittwoch Hochhuths Anwalt Markus Kerber zugesendet worden. Die Senatsverwaltung will jetzt erst mal abwarten, wie die Reaktion der Gegenseite aussieht. Kerber wollte dazu gestern keine Stellungsnahme abgeben.

Der Kündigung vorausgegangen ist ein jahrelanger Streit zwischen Hochhuth und Peymann wegen der vertraglich festgeschriebenen Nutzung des Theaters. Peter Raue, der das Berliner Ensemble (BE) schon in früheren juristischen Auseinandersetzungen mit Hochhuth vertreten hat, hatte bereits nach der Kündigung Anfang vergangener Woche fürs BE erklärt, dass es „keinen Rechtsanspruch auf eine Aufführung des ,Stellvertreters' im Berliner Ensemble“ gebe: „Die Ilse-Holzapfel-Stiftung hat lediglich das Recht eine von ihr finanzierte und realisierte Inszenierung an drei Tagen im Oktober am Berliner Ensemble zu zeigen. Ein solches Angebot hat Rolf Hochhuth niemals unterbreitet.“ Zur Sommerbespielung durch die Ilse-Holzapfel-Stiftung sei das Theater nur verpflichtet, „wenn Zeitraum und Stück wie vertraglich verabredet rechtzeitig angeboten werden“. Das sei bisher nie geschehen.

Hochhuths Anwalt Kerber argumentiert außerdem in dem Kündigungsschreiben, dass „das Land das Theater unzulässig an die BIM untervermietet habe, das sei ein Kündigungsgrund. Kulturstaatssekretär André Schmitz hatte hingegen im Abgeordnetenhaus betont, dass kein Untermietverhältnis mit der landeseigenen Immobiliengesellschaft bestehe.