Medien

Und immer wieder vermählt sich Florian Siebereisen mit Helene Fischer

In der Print-Krise halten sich die Klatschblätter in Deutschland erstaunlich gut. Woran liegt das eigentlich?

„Träumen wird man ja wohl noch dürfen“, das schreibt die Klatschzeitung „Freizeit Monat“ zum Titelthema „Märchenhochzeit auf dem Traumschiff“ von Helene Fischer und Florian Silbereisen. Natürlich gab es keine Hochzeit, die Fotos von Torten, Kleidern, das sanft gehauchte Ja-Wort: alles nur Hirngespinste der Redaktion. Eine Märchenhochzeit von vielen aus der journalistischen Schmuddelecke. Wenn die Medienwelt eine glitzernde Metropole ist, dann ist die Regenbogenpresse die dunkle Spelunke, in der man „Die Aktuelle“ oder „Frau im Spiegel“ nur flüsternd erwähnt.

Dabei kann das Yellow-Segment, wie es branchenintern heißt, durchaus mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. Gut 70 Wochen- und Monatstitel verstopfen die Regalmeter im Zeitungsladen, eine halbe Milliarde dieser bunten Hefte für die Frau ab 60 verlässt jährlich die Druckereien. Der Marktführer „Freizeit Revue“ aus dem Burda-Verlag hat eine Auflage von wöchentlich 840.000 Heften und ist damit auf Augenhöhe mit „Spiegel“ und „Stern“. Während die Print-Krise und digitale Erlösmodelle für Tageszeitungen und Nachrichtenmagazinen zurzeit ausführlich diskutiert werden und der Erfolg von Formaten wie „Landlust“ Neid und Nachahmer weckt, finden die „modernen Märchenblätter“, wie Franz Burda sie einst genannt haben soll, wenig Beachtung.

„Wir erzählen keine Märchen, wir erzählen Geschichten“, stellt Kathrin Kellermann, Chefredakteurin von „Neue Post“ klar. Das Yellow-Zugpferd aus dem Bauer-Verlag, mit wöchentlich 686.000 verkauften Exemplaren Nummer Zwei im Handel, ist ein Klassiker im Segment und sieht sich seit 1948 als „Die Nr. 1 in Adel“. Um das zu bleiben, kümmern sich allein 25 Mitarbeiterinnen – und Mitarbeiter – nur um Society-Geschichten, telefonieren Stars und Sternchen, ihre Verwandten und Bekannten ab, werten Zeitungen, Magazine und Agenturen aus, durchforsten Blogs und soziale Medien. „Der direkte Kontakt zum Star ist immer noch das Wichtigste“, so Kellermann, „wir wollen Geschichten mit Andrea Berg machen, nicht gegen Andrea Berg.“

Ingo Klinge, Geschäftsführer der Bauer Premium GmbH und verantwortlich für die Titel „Neue Post“, „Das Neue Blatt“ und „Das Neue“, kennt die Vorurteile gegenüber der Branche. „Die Anzahl der Yellow-Leser ist gleich geblieben, aber immer mehr wollen ein Stück vom Kuchen abhaben.“ Das bedeutet, dass sich 70 Titel um „exklusive“ Geschichten aus einem überschaubaren Promi-Pool balgen. Es ist ein Junge! Nein, es ist ein Mädchen! Da ist aber was los bei Königs, besonders auf den Titelseiten, die sich alle zum verwechseln ähnlich sehen.

Emotionen sind wichtiger als Fakten. „Empathie ist die wichtigste Voraussetzung für unsere Journalisten, sie müssen sich in die Gefühlswelt der Leserinnen versetzen und die Texte entsprechend emotional anreichern“, sagt Kathrin Kellermann, „aber der Kern eines Textes muss wahr sein.“ So ist das „schönste Geschenk“, das Königin Máxima auf dem Titel von „Neue Post“ der „überglücklichen Familie“ macht, im Innenteil kein neues Geschwisterchen, wie wohl viele Leser zuerst vermuten dürften, sondern: viel gemeinsame Zeit in den Ferien. Und ein Hund.

Insbesondere kleine Redaktionen haben die besonders „exklusiven“ Geschichten. So „exklusiv“, dass viele Prominente nicht mal damit rechnen, plötzlich „wie man munkelt/wie Insider berichten/wie eine nahe Verwandte enthüllte“ schwanger, alkoholkrank, dement oder geschieden zu sein. Zu den Beobachtern der Branche gehört die „FAS“ mit ihrer Kolumne „Herzblatt-Geschichten“, für die Redakteur Jörg Thomann Schneisen durch den Klatsch-Blätterwald schlägt: „Woche für Woche werden Florian Silbereisen und Helene Fischer miteinander verheiratet, und die Woche drauf ist alles wieder vergessen – bis das Spiel wieder von vorn beginnt. Doch bei allem Nonsens scheinen die Blätter für ihre Leserschaft ja irgendwie eine Autorität zu sein.“