Biografie

Pep Guardiolas: Ein Trainer steht kurz vor der Heiligsprechung

Wahrscheinlich wird der Fußball demnächst am Berliner Alexanderplatz enden; gleich neben dem Barbie-Dreamhouse wird man ihm dort ein Traumstadion bauen, mit einem wächsernen Cristiano Ronaldo als Super-Barbie auf links. Wenn es so weit ist, wird der „Kicker“ eine „Brigitte“ für Männer sein; dass es so weit kommt, können allenfalls Typen wie Guillem Balagué verhindern, die noch wissen (oder doch jedenfalls meinen), dass Fußball nicht eine Seifenoper, sondern eine Heilsgeschichte ist.

Guillem Balagué, ein im katholischen Spanien recht bekannter Sportjournalist, würde den Fußballern, über die er berichtet, nie wie die „Bravo Sport“ Preisschilder um die Hälse hängen. Guillem Balagué hält es eher mit Rosenkränzen und Christuskreuzen am Band – und erkennt in Pep Guardiola, dem Meistertrainer Barcelonas und Nachfolger von Jupp Heynckes beim FC Bayern, den Messias seiner Zunft. Mindetens. Der Titel „Pep Guardiola. Die Biografie“ ist insofern irreführend. „Pep Guardiola. Das Evangelium“ wäre wohl treffender gewesen.

Das neutestamentarische Erzählmuster ordnet den Stoff: Guillem Balagué beginnt mit Guardiolas Himmelfahrt im Camp Nou: „Pep verließ Barcelona und alles …“ – man könnte glatt glauben, er habe auch die Sünden seiner Spieler auf sich genommen. Dass Pep noch heiliger ist als Messi, der Fels, auf den er sein Spiel baute: klar. Schließlich hat Messi ihn dreimal verraten, als er weder Henry noch Eto’o noch Ibrahimović neben sich duldete. Sogar der jahrelange Doping-Verdacht gegen Guardiola lässt sich neutestamentarisch entkräften: Er ist Prüfung gewesen, was sonst?

Schade nur, dass Glaube, Liebe, Hoffnung im Fußball bloß auf den billigen Plätzen herrschen. Für die VIPs folgt auf jede Himmelfahrt ein Himmelfahrtskommando. Viel Spaß in München dann.

Guillem Balagué Pep Guardiola, C. Bertelsmann, 432 S., 19,99 €