Konzert

Helene Fischer gibt den alten Showhasen in der Waldbühne

Zuerst sieht es nach einem perfekten Abend aus. Auf die oberen Ränge der ausverkauften Berliner Waldbühne scheint am Sonnabend noch die Sonne, 22.000 Menschen warten auf den großen Auftritt der Helene Fischer.

Sie müssen vorher die pompösen Shantys der Krawall-Seemänner Santiano aushalten. Aber eigentlich ist das ein geschickter Schachzug der Fischerin: Danach klingt selbst das trivialste ihrer Lieder subtil.

Woran man sofort merkt, dass dies kein Rockkonzert ist: Eine Stunde, bevor die Show beginnt, sind praktisch alle Ränge belegt, doch der unbestuhlte Bereich vor der Bühne ist immer noch halbleer. Eine Reisegruppe hat sich T-Shirts anfertigen lassen. Auf den Rücken der Frauen steht „Du bist ein Phänomen ...“, auf denen der Männer: „Ich weiß!!!“. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Mit Robbie Williams‘ „Let Me Entertain You“ schwebt die Schlagerkönigin im weißen Hosenanzug an Luftballons von der Decke. Acht Tänzer umringen sie, Band und Bläser halten sich im Hintergrund. Sie feuert gleich zwei ihrer größten Hits ab, „Phänomen“ und „Von hier bis unendlich“, ruft ein paar Mal „Berlin!“. Dann erzählt sie, wie „unglaublich“ das alles ist und wie sehr sie seit ihrem Auftritt „im letzten Jahr“ wieder hierherkommen wollte. Diese Frau spart an gar nichts, alles hier ist überlebensgroß: die Effekte, die Stimme, die Gesten und ja, auch der Kitsch. Sie hat die Körperspannung einer Tänzerin, aber die Lässigkeit eines alten Showhasen, obwohl sie erst 29 ist. Nach – für sie eher kurzen – zwei Stunden beendet Helene Fischer „Paradies“.