Musikgeschichte

273 Jahre alte Bach-Handschrift in Weißenfels entdeckt

Kleine Klassiksensation: Eine 273 Jahre alte Handschrift des Barockkomponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist in einer Sammlung in Weißenfels entdeckt worden.

Die 1740 entstandene Abschrift einer Messe des italienischen Komponisten Francesco Gasparini wurde am Donnerstag erstmals öffentlich präsentiert. Die vier Blätter bieten nach Angaben von Musikforschern wesentliche Einblicke in das Schaffen von Bach in seinem letzten Lebensjahrzehnt. Entdeckt hat sie der stellvertretende Direktor des Bach-Archivs Leipzig, Peter Wollny, im April im Archiv des Heinrich-Schütz-Hauses.

Bach verwendete für seine Abschrift das gleiche Papier mit Wasserzeichen wie für den zweiten Teil seines „Wohltemperierten Klaviers“. Somit sei die Kopie eindeutig um 1740 entstanden, sagte Wollny. „Die Handschrift ist in einem sehr guten Zustand, was bei derartigen Funden nicht selbstverständlich ist.“

Gasparinis Messe „Missa canonica“ für vierstimmigen Chor und Basso continuo entstand um 1705 in Venedig. „Bach schätzte die meisterhaft komponierten Kanons der Messe, und die Abschrift diente auch dem Studium des Werkes“, sagte Wollny. Es gebe eindeutige Indizien dafür, dass Bach das Werk von Gasparini mehrfach in Leipzig aufführte. Die Handschrift wird vom 7. bis zum 14. Juli im Schütz-Haus Weißenfels ausgestellt und bleibt auch im Archiv des Hauses.

Bach wurde 1685 in einer Eisenacher Musikerfamilie geboren. In Arnstadt, Mühlhausen und Weimar machte er sich als Musiker einen Namen, bevor er nach Köthen weiterzog.