Kulinarisches

Israels Fernsehkoch trifft auf Berliner Küchenchef

Die 27. Jüdischen Kulturtage setzen auf Begegnungen

Von einer „lebhafteren Diskussionskultur“ spricht Gideon Joffe, der Vorsitzende von Berlins Jüdischer Gemeinde, und erntet für die Anspielung einige Lacher. In einem Atemzug will er diese Diskussionskultur mit den 27. Jüdischen Kulturtagen verknüpfen, denn darum geht es eigentlich bei dieser Pressekonferenz im Renaissance-Theater. Joffe steht gerade unter Druck. Ein lebhafter Finanzstreit prägte kürzlich eine Repräsentantenversammlung, der in Handgreiflichkeiten nebst Polizeieinsatz endete. Am Donnerstag tagten die Repräsentanten erneut, aber an getrennten Orten, die Opposition will Joffes Rücktritt.

Nur wer das weiß, versteht, warum sich Joffe an diesem Freitag so lebhaft über die „absolute Glaubensfreiheit“ in der Einheitsgemeinde auslässt statt über das bunte Kulturprogramm, und lieber erklärt, warum es so schwer ist, die Orthodoxen und die Liberalen in Berlin unter einen Hut zu kriegen. Schließlich empfiehlt er ein Synagogen-Hopping bei den Kulturtagen. Kurz danach springt Joffe auf und verabschiedet sich, noch bevor jemand eine Frage stellen kann.

Martin Kranz, Intendant der Jüdischen Kulturtage, lässt sich sein sonniges Werbegemüt nicht verderben. „Unglaublich“ ist eines seiner Lieblingswörter. Dann geht es etwa um den in Berlin lebenden Avi Avital, der schon mal Kostproben auf seiner Mandoline gibt. Oder um Israels Superstar Shlomo Artzi, der das Abschlusskonzert in der Synagoge Rykestraße machen wird. Am selben Ort treffen zuvor Klarinettist Giora Feidman und Schauspieler Ben Becker in einer Hommage an Paul Celan aufeinander. Überhaupt lebt das Festival von Begegnungen, sogar kulinarischen. So trifft der israelische Fernsehkoch Israel Aharoni im Ritz-Carlton auf Küchenchef Martin Lisson. Man tausche sich bereits Kochrezepte aus, erzählt Lisson. Manchmal konnte er nur mit den Achseln zucken. Am Ende darf das Publikum, scherzt Kranz, es sogar essen. Unglaublich.

Im Renaissance-Theater liest Dominique Horwitz aus der Autobiografie des im Wedding aufgewachsenen Deutsch-Iraners Arye Sharuz Shalicar, der irgendwann begreifen musste, dass er aus einer jüdischen Familie stammt. Er ist heute Pressesprecher der israelischen Armee und wird mit auf der Bühne sitzen.

Jüdische Kulturtage 15. bis 25. August.. Tel. 84 10 89 09.