Musik

Bei Black Sabbath spielt der Tod leibhaftig mit

Die legendäre Band und Ozzy Osbourne haben nach 35 Jahren noch einmal ein gemeinsames Album aufgenommen

Ich möchte nicht für immer leben, aber ich will auch nicht sterben: Das sind Nachtgedanken, die nur Ozzy Osbourne singen kann, mit seiner Kriegssirenenstimme, im Triumph über den Tod. Das kühne Lied heißt „Live Forever“. Es handelt davon, was Menschen sich über das Sterben so erzählen, vom vorüberziehenden Leben und vom Himmelslicht.

Im Dunkeln bleibt, ob sich der Sänger davor fürchtet, darauf freut oder darüber amüsiert. Das Überleben ist seine Passion, darin kennt er sich aus. Weder die Drogen haben Osbourne töten können noch die Depressionen. Zuletzt brach er sich den Hals bei einer Ausfahrt mit dem Quad, auf einem kippsicheren Motorrad.

Aber schon singt er wieder von seinen Dämonen, und sogar zwei Schulfreunde sind bei ihm: Tony Iommi spielt Gitarre, Geezer Butler Bass. Während der Siebzigerjahre waren sie Black Sabbath. 1978 wurde Osbourne von der Band beurlaubt wegen seines Lebenswandels, was weder der Band bekam noch ihrem Sänger. Dass Black Sabbath 35 Jahre später noch einmal ein Album mit ihm aufgenommen haben, und zwar ein gewaltiges, ist mehr als ein Comeback. Es ist ein Wunder.

„13“ heißt das Album. Für das Cover wurde Stroh zur aktuellen Jahreszahl verflochten und bei Nacht in Brand gesetzt. Für Titel und Gestaltung war der Produzent verantwortlich. Ohne Rick Rubin gäbe es die ganze großartige Platte nicht. Er ist der Impresario der heutigen, historienseligen Musik. Wenn sich ein Veteran nicht mehr daran erinnern kann, wer er mal war, hilft Rubin dem Gedächtnis wieder auf die Sprünge.

Die Single „God Is Dead?“ ist auch das Meisterstück des Albums. Osbourne hatte sich bei einem Arztbesuch über den Titel eines Lebenshilfe-Magazins geärgert. „Gott ist tot!“ verkündete das Heft vulgärnietzscheanisch. Friedrich Nietzsche schaut nun streng vom Single-Cover, und sein populärster Leitgedanke wird als Frage vorgetragen. Neun Minuten dauert Osbournes Ringen mit dem Nihilisten ins sich: Kann mir irgendjemand sagen, ob Gott wirklich tot ist? Ich glaube nicht, dass Gott tot ist! Ist es nur ein Märchen, dass Gott tot ist? Eine Stimme spricht zu mir: Gott ist nicht tot!

Der Sänger schleppt sich grübelnd durch die schlammige Musik seiner Jugend. Es ging bei Black Sabbath nie um Hegel oder Nietzsche aber um Moral. Bereits in „Supernaut“ erklärte Osbourne 1972, dass ihm niemand sagen müsse, wo er Gott zu suchen habe. Er hat ihn bis heute nicht gefunden. Auf dem Album „13“ poltert seine Band ausführlich gegen Religionskriege und pädophile Priester, spendet aber Sündern Trost und allen armen Seelen. Niemand weiß, was aus Black Sabbath wird. Eins ihrer Lieder fragt: Ist dies das Ende vom Anfang oder der Anfang vom Ende?