Sachbuch

Wo ist die Hölle? Auf der Suche nach dem Tor zur Unterwelt

Folgt man der Darstellung Dantes, ist die Hölle ein trichterförmiger Abgrund mit neun Kreisen, der im Zentrum der Erde in eine Spitze ausläuft, dort sitzt Luzifer.

Wo aber befindet sich der Eingang? Homer beschreibt ihn im elften Gesang der „Odyssee“ als einen Ort im wolkenverhangenen Land der Kimmerer am Rande des Okeanos, den findige Altertumsforscher später irgendwo am Schwarzen Meer lokalisierten. Vergil wiederum verortet ihn am Lago d'Averno in der Gegend von Neapel. Angeblich stieg ein scharfer Dunst aus dem See.

Aber hat die in Mythen und alten Geschichten beschriebene Unterwelt überhaupt eine Entsprechung in der Wirklichkeit? Und wenn ja: Ist die Hölle aus Kalkstein oder Basalt? Und wo mündet der sagenhafte Styx oder Archeron, den die toten Seelen auf Charons Fähre überqueren mussten? Salomon Kroonenberg, früher Professor für Geologie an der Universität Delft, wollte es genau wissen und hat sich auf die Suche begeben – in Jerusalem ebenso wie im russisch-ukrainischen Grenzgebiet, in Griechenland und Süditalien. Weit gekommen – das vorweggenommen – ist er damit nicht.

Salomon Kroonenbergs Verbindung aus persönlichem Erlebnisbericht, Altertumsforschung und Geologie aber erweist sich trotz magerer Funde als fruchtbar. Wie nebenbei plaudert der Professor über die Entstehung der Karst- und Höhlenlandschaft, erzählt von unterirdischen Flüssen und den immer noch aktiven Vulkanen in der Gegend rund um Neapel. Wir erfahren, wo genau Odysseus' Reise verlief und was es etwa mit dem Obolus auf sich hat, den die Verstorbenen dem Fährmann entrichten mussten.

Salomon Kroonenberg: Warum die Hölle nach Schwefel stinkt. Primus Verlag, 272 Seiten., 29,90 Euro.