Bestseller

Wenn das Personal so gar nicht zum Plot passt

Dora Heldt ist Deutschlands neue Hera Lind.

Ihre Bestseller heißen „Ausgeliebt“, „Urlaub mit Papa“ oder „Tante Inge haut ab“. Und auch Frau Heldt – die im wahren Leben Bärbel Schmidt heißt, gelernte Buchhändlerin ist und seit 20 Jahren als Verlagsvertreterin arbeitet – sagt gern, dass sie sich gar nicht als Schriftstellerin fühle und mit ihren Büchern „nur unterhalten“ wolle. Frau Heldt schafft inzwischen sogar schon zwei Bücher pro Jahr. Das neueste, der Kaffeefahrt-Knüller „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen“, hält sich seit dem Erscheinungstermin am 21. März in den Bestsellerlisten und soll demnächst – auch das ist bei Heldts Büchern längst Usus – fürs Fernsehen verfilmt werden.

Um es gleich zu sagen: Wer als Quereinsteiger „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen“ liest, wird schnell in Ratlosigkeit verfallen. Die stilistische Armut – bei Heldt wird „mit großen Augen gelauscht“, Senioren sind „gutsituiert“, man hat „eine entzückende kleine Wohnung“ gemietet – korrespondiert mit dramaturgischen Ärgernissen. Schon an der Exposition stimmt nichts. Könnten Volkswirte und ehemalige Finanzbeamte wirklich auf ein Immobilienprojekt an der Ostsee hereinfallen, von dem nur ein Schild am Strand existiert? Würden sich diejenigen, denen man ein Wochenende in „exklusivem Rahmen“ versprochen hat, in die Mehrbettzimmer eines schmuddeligen Gasthofs stecken lassen? Weil das Personal nicht zum Plot passt, glaubt man Heldt kein Wort. Schlimmeres lässt sich über ein Buch nicht sagen. Aber vermutlich ist es gerade die ausgestellte Naivität, die Heldts Bücher zu Bestsellern macht.

Dora Heldt: Herzlichen Glückwunsch, Sie haben gewonnen! dtv, 352 Seiten, 17,90 Euro