Kino

Der Mann fürs Schräge: Johnny Depp zum 50.

Fast schien es, als ob er auf seine alten Tage ausruhen würde und nur noch mit Todesverachtung seinen Piratenkäpt’n Sparrow gibt.

Ein fünfter fünfter „Fluch der Karibik“ ist auch schon angekündigt, aber als nächstes werden wir Johnny Depp erst mal als Indianerkrieger in „The Lone Ranger“ erleben, aschweiß geschminkt und mit Krähe auf dem Kopf. Das zeigt einmal mehr: Johnny Depp ist der Mann fürs Schräge. Ob nun als weltfremder Tor („Edward mit den Scherenhänden“) oder Trash-Regisseur in Frauenkleidern („Ed Wood“), ob als durchgeknallter Junkie („Fear and Lothing in Las Vegas“) oder als kehleschlitzender Barbier („Sweeny Todd“, Foto): keine Maske ist ihm zu bizarr, keine Kostümierung zu absurd.

Anfangs hat man ihn als James Dean der Neunziger, als neuen Brando etikettieren wollen und als Sexiest, Hottest Man. Dieses Image aber hat er stets bekämpft, ironisiert und mit Lust zerstört. Nicht zufällig sind seine Figuren eigentlich ungeschlechtlich, gerne androgyn, aber noch öfter - im Grunde asexuell. Denn vor allem ist Depp einer, der einfach nicht erwachsen werden will. Das Kind im Manne ist seine Paraderolle, ist der heimliche rote Faden, der sich durch seine Filme zieht. Am Sonntag wird Johnny Depp 50. Und beweist uns damit, wie alt man werden kann, ohne erwachsen werden zu müssen. Das lässt sich jetzt auch in einem neuen, prachtvollen Fotoband nachblättern.

Steven Daly: Johnny Depp – Seine Filme, sein Leben. Knesebeck Verlag, 288 S., 39,95 Euro. Ab heute im Handel