Klassik-Kritik

„Das Geisterschiff“ der Deutschen Oper ist voller Heiterkeit

Das Wagner-Jahr ist ein Jahr der Entdeckungen.

Wer in Deutschland hat schon vom französischen Möchtegern-Komponisten Pierre-Louis Dietsch gehört, der für 500 klägliche Francs die Rechte an Wagners Libretto zum „Fliegenden Holländer“ erwarb und daraus eine eigene Oper formte: „Das Geisterschiff“. Die Deutsche Oper ließ es jetzt konzertant im Konzerthaus aufkreuzen, bis unter die Segel hinauf glänzend besetzt.

Dietsch hat Wagners Libretto reichlich umschreiben lassen. Leider hat er musikalisch nichts Neues zu sagen, worunter der knappe Schlussakt erheblich leidet. Dietsch war leider mit seinem Musiklatein an sein Ende gelangt. Dabei hatte er die zwei Teile des ersten Aktes noch hinreichend musikalisch ausstaffiert, er hat Rollen entworfen, diese seinen weit dahinflutenden Melodien durchaus angepasst. Er verlangte viel Virtuosität von Ihnen, vor allem von Laura Aikin, die zum Tode durch aufopfernde Liebe verurteilte Minna (nicht Senta wie bei Wagner).

Frau Aikin setzt ihren haushohen Sopran mit bewunderungswürdiger Finesse ein und die gefällt auch dem vorzüglichen Dirigenten Enrique Mazzola bei seinem Berlin-Debüt zweifellos ganz besonders. Er springt das Werk mit Vitalität, Geschmack und einer gewissen Heiterkeit an und führt es auf die rechte Bahn in den Konzerthaus-Erfolg. Er ist ausgezeichnet, selbst in den wenig ausdrucksreichen Momenten, die ihm der arme Komponist Dietsch in die Hand gab. Das „Geisterschiff“ ging damals nach nur 15 Vorstellungen glanzlos auf Nimmerwiederkehr unter. Wagners „Fliegender Holländer“ dagegen triumphiert bis heute.

Dabei hat Dietschs Geisterschiff durchaus einige reißerische Momente, die den Sängern verdiente Anerkennung eintragen. Sie sind durch die Bank alle gut auserwählt und haben außerdem auf der Empore den glänzenden Chor der Deutschen Oper im Rücken. Jean-Francois Borras singt mit standfestem Tenor Minnas Liebhaber, der ins Kloster geht und dort bei der Trauung der Geliebten an einer Ewigkeitswunde an der Hand des Verlobten beim Aufstecken der Trauringe den gottverdammten Burschen erkennt, der einst seinen Vater ins nasse Grab brachte. Damit ist die Hochzeit gründlich geplatzt. Minna und ihr frisch Angetrauter verschwinden Hand in Hand in den Tod, der Erlösung entgegen. Nicolas Cavallier singt den Brautvater, der stärker ins Geld als in seine Tochter verliebt ist, mit hochansehnlicher Stimme. Yosep Kang ist der liebenswürdige Choranführer der Gutmenschen. Alle schlürfen gern den Annerkennungsbeifall.