Kino

Bei der Palmenvergabe in Cannes macht Spielbergs Jury alles richtig

Zum dritten Mal in sechs Jahren hat mit „La Vie d’Adèle“ ein französischer Film die Goldene Palme in Cannes gewonnen.

Auch wenn die vielen französischen Beiträge im Wettbewerb zuweilen eine französische Meisterschaft mit ausländischer Beteiligung nahe legte, ist die Palme für Abdellatif Kechiches Film vollkommen verdient. Kechiches Film dauert drei Stunden, und obwohl er erzählt, wie die 18-jährige Adèle ihre Neigung zum gleichen Geschlecht entdeckt – was schon viele Filme getan haben – ist jede Minute faszinierend. Das liegt an Kechiches ungeheuerer Direktheit und an zwei phantastischen Hauptdarstellerinnen, Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux. Wäre dies die Oscar-Nacht, man hätte auch den Darstellerinnenpreis gewonnen, aber eine Jury tendiert dazu, Preise breiter zu verteilen, und so ging dieser an Bérénice Bejo (noch eine Französin) für „Le Passé“.

Das war gewissermaßen der Trostpreis für den zweiten Favoriten, Asghar Farhadis Film (auch eine französische Produktion). Dass Farhadi auch in Cannes für preiswürdig befunden wurde, ist eine Genugtuung für die Berlinale, aber eine bittere. Vor vier Jahren hat Berlin Farhadi mit „Über Elly“ fürs internationale Kino entdeckt und vor zwei Jahren gewann Farhadis Meisterwerk „Nader und Simin“ erst den Goldenen Bären und später den Oscar. Dann kam ein französischer Produzent und bot Farhadi bessere Bedingungen, als das jeder in Deutschland hätte tun können – und so ging „Passé“ nach Cannes.

Der Grand Prix für „Inside Llewyn Davis“ von den Coen-Brüdern ist eine weise Entscheidung. Jeder mochte deren Film über einen Folksänger in densechziger Jahren. Aber um in Cannes zu gewinnen, genügt es nicht, einen populären Film zu drehen. Die Ernennung von Bruce Dern, der seit 50 Jahren Psychopathen verkörpert, zum besten Schauspieler ist eine Überraschung. Wegen seiner reduzierten Mimik halten viele den 76-Jährigen für einen Nicht-Schauspieler. Aber wie er in „Nebraska“ darauf besteht, einen Millionen-Preis abzuholen, von dem jeder weiß, dass es nur ein Werbeschwindel sein kann, das ist schon eine schöne Altersrolle. Dass diese Auszeichnung nicht – wie erwartet – an Michael Douglas als schwuler Liberace in „Behind the Candelabra“ ging, sagt auch einiges darüber, für wie durchschnittlich Steven Spielbergs Jury Soderberghs Abschlussfilm gehalten haben muss.