Prosaband

Blumenpflücken in Schweden mit Carl von Linné

Der schwedische Botaniker Carl von Linné (1707 bis 1778) gilt als eine der großen Forscherpersönlichkeiten der europäischen Aufklärung; bis heute findet die von ihm aufgestellte Pflanzennomenklatur Verwendung.

Als „zweiter Adam“ sah der Pfarrerssohn aus Småland seine Lebensaufgabe darin, benennend und klassifizierend Ordnung und Zusammenhang in Gottes Schöpfung zu bringen – doch sollte gerade seine grandiose „Systema naturæ“ aus dem Jahr 1735 und die darin zum Ausdruck kommende Unterscheidungsobsession wesentlich dazu beitragen, dass das alte biblische Weltbild ins Wanken geriet. Nicht nur von der Erosion der Schöpfungslehre, sondern vor allem vom schmerzlichen Verlust der damit verbundenen tröstlichen Gewissheiten und überhaupt von der Unausrechenbarkeit der Welt handelt Magnus Florins schmaler Prosaband „Der Garten“, der in Schweden bereits im Jahr 1995 erschienen ist und dort längst als Klassiker der Gegenwartsliteratur gilt.

Als Roman wird die deutsche Ausgabe klassifiziert, doch wird hier kein Forscherleben erzählt. Der riesige Garten in Linnés Anwesen Hammarby, die lehmige Ebene um Uppsala mit ihren deplatzierten Muschelschalen, die Studentenschar, mit der der Professor botanisierend durch die Wälder zieht, die auf den Tod kranken Geschwister, der Kollege Artedius, der sein Leben der Klassifizierung der Fische verschrieben hat und in einer holländischen Gracht ertrinken wird: All dies sind Elemente, die in jeder Linné-Biografie auftauchen, bei Magnus Florin aber in eine Ordnung treten, die sich der Sinngebung einer Lebensgeschichte konsequent entzieht.

Magnus Florin: Der Garten. Aus dem Schwedischen von Benedikt Grabinski. Edition Rugerup, 15,90 Euro