Rock-Kritik

Roger Hodgson beim ausverkauften „Privatkonzert“

Ein Berliner Rundfunksender lud in den Admiralspalast

„Lasst mich Euch ansehen“, sagt Roger Hodgson mit einem Grinsen. Und zeigt auf einen Besucher im Publikum: „Hey, ich erinnere mich an Dich, das muss 1979 gewesen sein…“ Der Mann ist nun mal Brite, mit dem adäquaten Schuss Humor und Ironie an seiner Seite. Und er verspricht einen Abend mit Liedern und Welthits, die „nun eher wieder so klingen, wie zu der Zeit, als ich sie geschrieben habe.“

Der Berliner Rundfunksender „105’5 Spreeradio“ hat das Supertramp-Gründungsmitglied am Dienstagabend zu seiner „Privatkonzert“-Reihe eingeladen. Und der Admiralspalast mit seinen rund 1750 Plätzen ist ausverkauft, als Spreeradio-Moderator und -Programmdirektor Jochen Trus zum Auftakt ein kleines Jubiläum bekannt gibt: Es sei das 20. „Indoor“-Privatkonzert des Senders. Und man habe erneut Roger Hodgson geholt, weil der die erfolgreiche Reihe vor sieben Jahren eröffnet habe.

Auch eine Art Jubiläum: 30 Jahre ist es mittlerweile her, dass der Sänger, Gitarrist und Songschreiber Roger Hodgson die Rockband Supertramp verlassen hat – lässt man einen missglückten Reunion-Versuch im Jahr 1993 einmal beiseite. Gemeinsam mit seinem musikalischen Partner, dem Sänger, Keyboarder und Komponisten Rick Davies, hat Roger Hodgson in den 70er-Jahren Rockgeschichte geschrieben mit den legendären Alben „Crime Of The Century“, „Crisis? What Crisis?“, „Even In The Quietest Moments…“ und natürlich „Breakfast In America“.

Doch zu konträr waren die Auffassungen des rockorientierten Davies und des mehr dem Pop zugeneigten Hodgson, als dass sie je wieder einen gemeinsamen Weg hätten finden können. Davies machte mit Supertramp weiter, Hodgson entschied sich für eine Solokariere. Und er fährt bis heute gut damit. Schließlich gehen die meisten Supertramp-Hits auf sein Konto.

„It’s so nice to be here again“, freut sich der 62-jährige Musiker mit dem leicht angegrauten schulterlangen Haar. Und beginnt seinen Soloabend anschlagmächtig am E-Piano mit „Take The Long Way Home“ vom 97er-Album „Breakfast in America“. Wobei: Ganz solo ist er dann doch nicht. In Aaron McDonald hat er einen versierten Multiinstrumentalisten an seiner Seite, der die Stücke an Keyboards, Saxophonen, Mundharmonika und Melodica veredelt und auch noch die zweite Stimme im Refraingesang übernimmt.

Besucher baden in Glücksgefühlen

„Willkommen in meinem Wohnzimmer“, sagt Hodgson und richtet den Blick auf ein Bühnenbild aus groß gewachsenen Grünpflanzen, schweren silbernen Kerzenleuchtern und dicken Teppichen. Er wechselt immer wieder den Platz, sitzt mal am E-Piano, mal hinter dem Flügel, steht mit der zwölfsaitigen Gitarre an der Bühnenrampe. Und muss nur die ersten Akkorde von „Give A Little Bit“ anschlagen, um die Besucher in Glücksgefühlen zu baden.

Roger Hodgson weiß, was die Menschen von ihm erwarten. Er ist in bester Plauderstimmung, erzählt von einem Song, den er in gerade mal einer Stunde nur so dahingeschrieben hat und der zum Welthit wurde. Und spielt „Breakfast in America“. Manchmal vermisst man zwar die ausgetüftelten Bandarrangements, doch Aaron McDonald macht da vieles wett. In klarem Sound und warmem Licht spielen sie „Rosie Had Everything Planned“, „Dreamer“ und „It’s Raining Again“. Nur ein Klassiker wie „School” passte offenbar nicht mehr ins Konzept.