Pop-Kritik

Mark Knopfler in Berlin: Ein Abend unter Freunden

Eine Rocklegende in der ausverkauften O2 Word

Dieser Mann braucht keine Vorgruppe. Mark Knopfler füllt einen Konzertabend ganz allein aus. Und das alles ohne große Show, ohne aufwendige Bühneneffekte. Nur er und seine sieben Musiker stehen um 20.15 Uhr im Bühnenlicht, als hätten sie sich zu einer Session unter Freunden versammelt, die freilich etwas größer ausgefallen ist. Seit Wochen ausverkauft ist sein Gastspiel am Freitagabend in der mit 12.500 Besuchern gefüllten und vollbestuhlten O2 World.

Ein Ansager im Union-Jack-Dinnerjacket kündigt Knopfler und Band an. Mit dem folkrockigen „What It Is“ vom 2000er-Solo-Album „Sailing To Philadelphia“ beginnt der 63jährige, der mit den Dire Straits einst Rockgeschichte geschrieben hat, seine musikalische Reise zu den Wurzeln der populären Musik. Er schlägt eine Brücke von der Alten in die Neue Welt und zurück. Vom amerikanischen Rock’n’Roll zur Countrymusik, vom schwarzen Blues bis tief in die irisch-schottische Folklore.

Seit der Auflösung der Dire Straits Ende der 90er-Jahre ist Mark Knopfer in eigener Sache unterwegs; „Privateering“, seine mittlerweile siebte Platte mit gleich 20 neuen Songs auf einem Doppelalbum, steht im Mittelpunkt dieses Konzerts. Und gut zur Hälfte finden sich denn auch neue Stücke im Tour-Repertoire. Wie „Corned Beef City“, ein Country-Rocker vom Trucker-Leben on the road mit walzendem Groove und intensivem Slide-Guitar-Einsatz.

Mit dem Charme eines Hochschulwissenschaftlers und einem für Musiktraditionen brennenden Herzen spielt er sich bodenständig und unaufgeregt durch seine Songs, die in drei, vier Strophen kleine Geschichten von kleinen Leuten mit großen Problemen erzählen. Er singt mit rauchiger Stimme und er spielt seine Gitarren, egal ob akustisch oder elektrifiziert, mit seinem ureigenen Sound, nur mit den Fingerkuppen, nie mit einem Plektrum – obwohl er nach eigener Aussage immer ein Gitarren-Plättchen in der Hosentasche hat, nur zur Sicherheit.

Mal verfällt er dem puren Rock’n’Roll wie beim neuen Song „I Used To Could“, mal schmachtet er so wunderbar kitschige Balladen wie „Romeo and Juliet“ vom ersten Dire-Straits-Album. Immer ist da eine bestens eingespielte Band am Werk, die sich auf Blickkontakt versteht, mal mit Fiddle-Einsatz, mal mit Bouzouki, wenn es sein muss auch mal mit Tin Whistle und irischem Dudelsack. Und mittendrin Keyboarder Guy Fletcher, Knopflers wichtigster Weggefährte seit Dire-Straits-Tagen. Nach einem treibenden „Speedway To Nazareth“, wieder vom „Sailing To Philadelphia“-Album gehen Knopfler und seine Crew mit dem sich immer weiter in die Höhe schraubenden Dire-Straits-Klassiker „Telegraph Hill“ in ein Finale, das von tosendem Applaus gekrönt wird. Und bei den Zugaben bleibt auch noch Platz für die Straits-Ballade „So Far Away“.

Auch so kann ein Pop-Konzert sein. Ganz ohne Augenwischerei. Ganz ohne großtuerisches Beiwerk. Unaufgeregt und getrieben nur von der Musik. Und dass die von Herzen kommt, spürt man bis in die letzte Reihe.