Ausstellung

Eine Bank sucht unsere Kunst

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In der Alten Münze zeigt die Kunsthalle der Deutschen Bank für 24 Stunden Teil 2 der Ausstellung „Macht Kunst“

Es ist Gallery Weekend in Berlin, ein hübscher Sonntag im April und alle gehören dazu.

„Macht Kunst“ ist eine Ausstellung als Suchspiel, der Frage folgend: Wo hängt mein Bild? 1790 Werke auf 1400 Quadratmetern Fläche. Präsentiert nach dem Prinzip der Petersburger Hängung, alles eng nebeneinander, bis an die Decke. Nicht das einzelne Bild beeindruckt hier, sondern die gewaltige Menge. Vielleicht gibt das sogar einen Eintrag ins Guinness Buch, wird gemunkelt. 1790 Künstler in einer einzigen Ausstellung ist tatsächlich rekordverdächtig.

Vor drei Wochen hatte die Kunsthalle der Deutschen Bank ihre Türen an der neuen Stammadresse Unter der Linden geöffnet und Künstler, egal ob professionell oder nicht, dazu eingeladen, ihre Werke einfach vorbei zu bringen. Es gab das Versprechen, dass alle Bilder in einer 24-stündigen Ausstellung gezeigt werden, zusätzlich die Möglichkeit eine Einzelausstellung im Salon der Kunsthalle zu gewinnen sowie ein 12-monatiges Arbeitsstipendium.

Erlaubt war alles, was man hängen kann, maximal zwei Meter mal zwei Meter. Die Resonanz sprengte alle Erwartungen. 2135 Werke wurden an jenem Wochenende abgegeben, gezeigt werden konnten nur 345. Kurzerhand wurde eine zweite Ausstellung angesetzt, um auch die restlichen Bilder der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Für diesen zweiten Teil erwarten die Macher jetzt etwa 10.000 Gäste. Bereits wenige Minuten nach der Eröffnung am Mittag sind die Räume gestopft voll. An den Wänden finden sich Zeichnungen, Collagen, Gemälde, Fotografien. Überraschend vielen Bildern ist anzusehen, dass sie von Profis stammen. Vor allem die Qualität der Fotoarbeiten ist beeindruckend.

Ebenso hoch allerdings ist der Kitschfaktor. Es gibt einiges zu entdecken, was sich gut machen würden auf dem Tank einer Harley Davidson.

Die Menge, das Durcheinander an den Wänden ist erschlagend und verwirrend, doch nicht ohne Reiz. Diese Ausstellung kann und will nicht mehr sein als eine Momentaufnahme. Manches ist ironisch, manches mild-provokativ, keine Stilrichtung wird ausgelassen und es gibt nichts, was stört.

Überall wird fotografiert. Der Künstler neben seinem Bild, der Vater davor, die Freundin, das Kind auf dem Arm strahlt. Guck mal interessiert, zeig mal drauf. Alle paar Meter gibt es die gleichen Sätze zu hören. Die Stimmung ist ausgelassen. An zwei Bars werden Getränke ausgeschenkt, es gibt Leinenbeutel zum Mitnehmen, Becher und Buttons zur Ausstellung, getreu dem Motto: Ich war dabei.

„Macht Kunst“ ist ein großes Ereignis, das ist hier überall spürbar. Kunst soll Spaß machen, am Abend gibt es Musik, der Eintritt ist frei. Um die Ecke versucht man einen Künstler zu besänftigen, er steht kurz vor einem Wutanfall. Sein Bild hängt falsch herum. Es müsste um 90 Grad gedreht werden. Er hatte entsprechende Ösen hinten befestigt, idiotensicher, sagt er, und jetzt hängt es falsch herum und vom Rahmen ist auch eine Ecke abgesplittert.

Längst nicht alle Künstler sind glücklich mit diesem Event. Die Meinungen sind heftig gespalten, die einen sagen, es ist nichts als eine PR-Aktion für die Deutsche Bank, für die Künstler sich nicht prostituieren sollen und dürfen. Eine Gegenveranstaltung gibt es auch schon, direkt vor der Alten Münze. Der Stadtraum als offene Galerie, alles wird ausgestellt, keine Prostitution im Sinne der Kunst, heißt es, die Aktion steht unter keinem Namen und ein Stipendium gibt es auch nicht.

Für die meisten Anwesenden und Ausstellenden an diesem Sonntag ist „Macht Kunst“ allerdings durch und durch gelungen. Kunst will schließlich gezeigt werden, zudem gibt es die Chance auf Käufer. Es wird gefragt, warum das vorher niemand gemacht hat, zum Beispiel die Stadt, zum Beispiel in Tempelhof. Im besten Fall wird der überwältigende Erfolg dieser Aktion jetzt Folgen haben.