Auszeichnung

Große Gala für engagierte Journalisten

In Hamburg wurde der Henri Nannen Preis verliehen

„Es stürmt auf allen Etagen“, sagt Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr in ihrer Begrüßungsrede. Die Worte treffen gleich in dreifacher Hinsicht ins Schwarze. Im G+J-Verlag weht seit dem Komplett-Umbau des Vorstandes in der Tat mehr als nur ein „frischer Wind“. Die deutsche Medienbranche insgesamt wurde in den vergangenen Wochen von personellen Bäumchen-Wechsel-Dich-Spielchen in Atem gehalten, an prominentester Stelle stand hierbei das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, das seine beiden Chefredakteure recht spontan entließ. Und zuguterletzt zeigt sich das Hamburger Wetter von seiner wenig frühlingshaften Seite.

In schwarzer Hose und schulterfreien Top entert Jäkel die Bühne, spricht größtenteils frei. Zuvor hatte sie am roten Teppich - Seite an Seite mit den „Stern“-Chefredakteuren Andreas Petzold, Thomas Osterkorn und Dominik Wichmann - im Akkord Hände geschüttelt. Regierungssprecher Steffen Seibert, Kultursenatorin Barbara Kisseler, die Moderatoren Claus Kleber, Johannes B. Kerner und Thomas Gottschalk sowie Bertelsmann-Chefin Liz Mohn und Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner flanieren an diesem Abend über den Teppich. Durch die Gala führen „Tagesschau“-Sprecherin Linda Zervakis und Moderator Jörg Thadeusz.

Der Preis für die beste Dokumentation geht an Fabian Gartmann und Sönke Iwersen vom „Handelsblatt“ für ihr Stück „Ladenschluss“. In ihm wird der Aufstieg und Fall der Unternehmerfamilie Schlecker nachgezeichnet, der einst die gleichnamige Drogeriekette gehörte. Der Preis für den besten Essay geht an „Zeit“-Redakteur Bernd Ulrich für sein Nachdenkstück „Wer sind wir heute?“ über das Bild der Deutschen im Ausland. Die Fotografin Sandra Hoyn wird für ihre Fotostrecke „Die Kampfkinder“ ausgezeichnet. Sie hat thailändische Kinder fotografiert, die sich für einen Hungerlohn als Thai-Boxer verdingen müssen. Der Gewinner in der Kategorie Investigation heißt Wolfgang Kaes, Polizeireporter beim „Bonner Generalanzeiger“ und im Hauptberuf Autor von Kriminalromanen. Er erhält die Auszeichnung für seine Geschichte „Vermisst. Verschollen. Und beinah vergessen“, in der er das Schicksal einer vor 16 Jahren verschwundenen Arzthelferin aufdeckt.

Für Überraschung sorgt der Sonderpreis. Er geht an die „Financial Times Deutschland“, die am 7. Dezember 2012 ihre letzte Ausgabe druckte. Zehn Tage arbeiteten die Redakteure daran. „Die FTD war sich selten so nah wie in ihrer letzten Ausgabe“, so die Jury in ihrer Entscheidung. In der Königsdisziplin Reportage erhält Heike Faller vom „Zeit-Magazin“ den Preis. Für ihr Stück „Der Getriebene“ begleitete sie einen Pädophilen bei seiner Therapie. Die Jury lobt die „kühle Sachlichkeit“ und die „Langzeitwirkung“ beim Leser des Textes. Den Preis für Verdienste um die Pressefreiheit gewinnt René Wappler, der als Lokalredakteur über die Neonazi-Szene m brandenburgischen Spremberg berichtet, obwohl er von den Rechten massiv bedroht wird. Die Münchner Verlegerin Anneliese Friedmann wird für ihr Lebenswerk geehrt.