Nazi-Vergangenheit

Horst Tappert war bei der Waffen-SS

Nach dem Krieg wurde der Schauspieler als „Derrick“ weltberühmt. Im Krieg diente er als Soldat im Panzergrenadierregiment 1 „Totenkopf“

Horst Tappert, der mit der Rolle des Kriminal-Oberinspektors Derrick zum Weltstar wurde, machte von seinem Privatleben nicht viel Aufhebens. Das gehe niemanden etwas an, hat er in einem Interview einmal gesagt. Damals, 1996, drehte sich das Gespräch auch um den berühmten braunen Ledermantel, den ihm der Produzent aus der Rolle gestrichen hatte. „Mein Produzent wollte irgendwann nicht mehr, dass ich ihn trage“, sagte er. „Sehr schade. Es ist ein maßgefertigter Trench aus ganz feinem Leder. Die italienischen Zuschauer schreien nach dem Mantel.“

Nach einer Meldung der „FAZ“ dürften derartige Äußerungen wieder ans Licht gehoben werden. Denn Horst Tappert war nicht, wie er zu Lebzeiten angab, Kompaniesanitäter in einer Wehrmachtseinheit gewesen, sondern, wie es heißt, Soldat im Panzergrenadierregiment 1 „Totenkopf“. Der Soziologe Jörg Becker sei bei Recherchen für seine Biografie Elisabeth-Noelle Neumanns auf diesen Aspekt von Tapperts Leben gestoßen, heißt es. Eine Anfrage bei der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin habe ergeben, dass der 1923 in Elberfeld geborene gelernte Industriekaufmann Tappert zu einem noch unbekannten Datum Mitglied einer SS-Flak-Ersatzabteilung in Arolsen geworden sei. Im März 1943 führte ihn demnach die Waffen-SS-Division „Totenkopf“, die an der Rückeroberung Charkows beteiligt war, in ihrer Personalliste. Die Wehrmachtsauskunftsstelle (WASt) enthält die Unterlagen zu 19 Millionen Mitgliedern der Wehrmacht und der Waffen-SS.

Auch als er in der Rolle von „Derrick“ zum internationalen Star aufgestiegen war, hat sich Tappert zu seiner Vergangenheit nicht geäußert, auch nicht, als 2006 das Eingeständnis von Literaturnobelpreisträger Günter Grass, er sei Soldat der Waffen-SS-Division „Frundsberg“ gewesen, eine Debatte über Mitgliedschaften in der Waffen-SS lostrat. Tappert starb am 13. Dezember 2008 .

Pikant an der Entdeckung ist, dass der Erfinder von „Derrick“ und sein Darsteller offenbar alte Kameraden gewesen sind. Auch Herbert Reinecker (1914-2007) war Mitglied der Waffen-SS, wo er in einer Propaganda-Abteilung diente, zuletzt im Range eines Unterscharführers (Unteroffiziers). Wie 2010 die Autoren des Buches „Reineckerland“ herausfanden, war der Autor aller 281 „Derrick“-Folgen 1942 bei der SS-Division „Totenkopf“ eingesetzt, wurde dann aber an die Nordfront versetzt.

Ohne ausführlichere Quellen lässt sich daher spekulieren, ob sich die Hauptpersonen der meistverkauften deutschen Fernsehserie nicht schon früher einmal über den Weg gelaufen sind. Anders als Tappert hat Reinecker über seine SS-Vergangenheit nicht geschwiegen, wohl aber über zahlreiche Details seiner Propagandistenjahre für das Dritte Reich, die bereits mit seinem Eintritt ins Presse- und Propagandaamt in Berlin Mitte der Dreißigerjahre begannen und mit Leitartikeln für das SS-Kampfblatt „Das Schwarze Korps“ endeten. Im Zuge der Enthüllungen, die Rolf Aurich und seine Ko-Autoren in „Reineckerland“ vorlegten, wurde die Frage gestellt, welche „Spuren seiner Weltsicht“ sich im Werk eines der erfolgreichsten Autoren der Bundesrepublik finden lassen. Die Enthüllung, dass eine der Hauptfiguren von Reineckers Werk womöglich auf andere Weise mit dieser Weltsicht verbunden war, als bisher bekannt war, verschafft dieser Frage ungeahnte Aktualität.

Kurz bevor Horst Tappert sich als „Derrick“ zurückzog, sagte er in einem Interview, dass er sich in Deutschland aus politischen Gründen nicht mehr wohlfühle. „Wir entfernen uns von der Demokratie, die kurz nach dem Krieg in Deutschland entstand, an der ich lebhaft und aktiv auf dem liberalen Sektor mitgearbeitet habe, weil ich einfach das Gefühl hatte, nach der Diktatur muss jetzt für dieses Volk etwas Neues und Gutes kommen. Er fürchte, dass aufgrund der Politikverdrossenheit rechte Parteien wählen: „Das ist doch furchtbar! Haben wir doch gehabt.“