Museen

Wenn der Schädel zu einem Schaustück wird

Museen überdenken Umgang mit menschlichen Überresten

Mumien, Moorleichen, Schädel, ganze Skelette und sogar in Glasbehältern mit Alkohol aufbewahrte Köpfe und andere Körperteile Verstorbener werden in vielen Museen dem Publikum gezeigt. Sie gehören zu archäologischen, anthropologischen, lokalhistorischen oder medizingeschichtlichen Sammlungen und sind beim Publikum oft besonders beliebt.

Der Störtebecker-Schädel, der zu den populärsten Exponaten des Museums für Hamburgische Geschichte gehört, ist ein bekanntes Beispiel. Ob wir es wirklich mit dem Haupt des berühmten Piraten zu tun haben, dessen Existenz ohnehin historisch nicht gesichert ist, scheint fraglich. Nur so viel ist gewiss: Bei dem Museumsstück handelt es sich eben nicht nur um ein Zeugnis der Kulturgeschichte, sondern zugleich um den Überrest eines Menschen mit einem besonderen Schicksal, der Anfang des 15. Jahrhunderts in Hamburg hingerichtet wurde.

Wieso finden wir es eigentlich völlig normal, dass der Schädel dieses Mannes nicht würdevoll beigesetzt, sondern als Attraktion zur Schau gestellt wird? Und woran mag es liegen, dass der Tod in der modernen Gesellschaft einerseits ein weitgehend tabuisiertes Thema ist, andererseits die Ausstellung menschliche Überreste im Museum als selbstverständlich akzeptiert wird?

In der kommenden Woche wird sich der Deutsche Museumsbund in Berlin mit diesem Thema beschäftigen. Unter dem Titel „Empfehlungen zum Umgang mit menschlichen Überresten in Museen und Sammlungen“ stellt der Dachverband der deutschen Museen die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vor, die die gängige Ausstellungspraxis kritisch hinterfragt hat und Empfehlungen für den künftigen musealen Umgang mit diesen Zeugnissen individueller menschlicher Existenz gibt.

Welch hohes Maß an Konfliktpotenzial dieses Thema birgt, hat spätestens die öffentliche Auseinandersetzung um die „Körperwelten“-Ausstellung mit plastinierten Leichen gezeigt. Doch während es sich hierbei um die privat organisierte Schau des umstrittenen Anatomen Gunter von Hagens handelt, gehören menschliche Überreste in öffentlichen Sammlungen seit jeher zum musealen Alltag.

In vielen Museen gibt es mittlerweile ein gewachsenes Problembewusstsein, gleichzeitig fehlen aber klare Kriterien für den Umgang mit menschlichen Überresten in Ausstellungen und Schausammlungen. Die Initiative des Deutsche Museumsbundes soll den Museen helfen, bei der Präsentation von Skeletten, Mumien, Schrumpfköpfen oder Moorleichen Bildungsauftrag und Pietät, Publikumsinteresse und ethische Standards in Einklang zu bringen. Und das kann durchaus auch heißen, dass ein seit langem populäres Ausstellungsstück künftig nicht mehr gezeigt wird.