Filmförderung

Wie gerecht werden Kulturgelder verteilt?

Eine unabhängige Institution will ein wenig Licht in den deutschen Film-Förderdschungel bringen

Wer je einen Film in Deutschland drehen will, der muss sich, um ihn finanzieren zu können, erst mal durch einen wahren Förderdschungel kämpfen. Den bekommt auch der ganz normale Kinozuschauer mit. Dann nämlich, wenn im Vorspann eines Films erst mal zig Fördergremien genannt werden, die den Film möglich machten – was zu regelmäßigen Lachern im Saal führt. Wer sich da schlau machen will, dem schwirrt schon bald der Kopf. Bundesweit allein gibt es drei verschiedene Töpfe: die Filmförderungsanstalt (FFA), der Deutsche Filmförderfonds (DFFF) und das Bundeskulturministerium (BKM).

Dazu kommen noch die 15 Ländergremien wie das Medienboard Berlin-Brandenburg oder die Filmstiftung NRW. Die überbieten sich natürlich alle an Erfolgsmitteilungen ihrer jeweiligen Einrichtung, auch in Bezug darauf, was das für die Region einbringt. Aber wer hat einen Überblick, wer alles wie viele Filme fördert? Eigentlich niemand. Deshalb hat sich das Potsdamer Erich Pommer Institut daran gemacht, quasi als neutrale Stelle, einfach mal Zahlen zu sammeln. Vor einem Jahr hat das Medieninstitut eine erste Studie vorgelegt, damals für das Förderjahr 2010. Gestern nun folgten die Zahlen für 2011 (die für 2012 liegen noch nicht vollständig vor).

Interessant sind schon mal die Grundzahlen. Insgesamt wurden in jenem Jahr 281,9 Millionen Euro für Filmförderung ausgegeben. Davon kamen, fast zu gleichen Teilen, 139,4 Mio. vom Bund und 142,5 Mio. von den Ländern. Das klingt schon mal nach ziemlich hohen Zahlen. Und bei 538 Filmen im Jahr (164 mehr als im Vorjahr!) kommt man auf einen Schnitt von 1,5 Titeln pro Tag. Wer soll die alle sehen?

Im Vergleich zur Bezuschussung aller Theater- und Opernbühnen der Republik mit insgesamt 2,6 Milliarden beträgt die Filmförderung indes gerade mal ein Zehntel davon. Während „nur“ 33,3 Mio. Deutsche ihre Bühnen besuchten, aber fast vier Mal so viele, nämlich 129,6 Mio., ins Kino gingen. Da darf man schon mal nachhaken, ob Kulturgelder eigentlich gerecht verteilt werden. Die Rechnung ist natürlich ein wenig schief, weil die meisten ja Hollywoodfilme gucken. Aber der Trend zu internationalen Koproduktionen nimmt auch bei der deutschen Filmförderung zu. Und: Würde man die Förderung umstrukturieren, hätten wir vielleicht wenigstens Verhältnisse wie das filmkulturell weit gesegnetere Frankreich.

Durch die unabhängige Bestandsaufnahme kann jetzt verfolgt werden, wie die deutsche Filmförderung verzahnt ist. Berlin ist in der Studie gut vertreten: Das Medienboard kommt mit 24,26 Förder-Millionen auf Platz drei der Länderförderungen, nach der Filmstiftung NRW (35,7 Mio.) und dem FFF Bayern (28,17 Mio.). Wie man überhaupt einen „Hauptstadt-Effekt“ feststellen kann: 47,3 % aller von der FFA und 33,6 % aller vom DFFF geförderten Filme wurden auch durch das Medienboard unterstützt. Das Ranking der geförderten Filme führt „Cloud Atlas“ von Tom Tykwer und den Wachowski-Brüdern an, mit insgesamt 8,6 Mio. Förder-Euros. Warum der in Babelsberg gedrehte Hollywoodtrash „Hänsel & Gretel – Hexenjäger“ mit 6,8 Mio. auf Platz Zwei kommt und warum 9,7 Prozent aller geförderten Filme reine TV-Produktionen sind, das sind so Fragen, die man sich schon stellen darf.

Wohlgemerkt: Das Pommer Institut legt erst mal nur Zahlen vor. Ohne gleich Schlüsse daraus ziehen zu wollen. Aber sein Zahlenwerk verschickt es schon an die Gremien und die Politik. Um einmal anhand von konkreten Zahlen diskutieren zu können. An oberster Stelle stehen sollte dabei die Frage, wie viele von den Fördergeldern eigentlich zurückerstattet werden. Die FFA ist die einzige Institution, die diese Zahlen offenlegt. Alle anderen schweigen beharrlich. Dabei sind das öffentliche Gelder. Es brauchte hier, so bilanziert Lothar Mikos die von ihm angeregte Studie, unbedingt mehr Transparenz.