Haushalt

Museen brauchen Schenkungen

In Zeiten knapper öffentlicher Kassen sind die Häuser auf private Sammlungen angewiesen

Riesig war der Jubel im New Yorker Metropolitan Museum über das milliardenschwere Präsent des Kosmetik-Moguls Leonard Lauder. Er verschenkte seine Sammlung kubistischer Kunst von Weltruf mit Werken von Picasso bis Fernand Léger. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen dürfte das der Traum eines jeden Museumsleiters sein.

Auch in Deutschland sind Museen heutzutage auf die Großzügigkeit privater Sammler angewiesen, Berlin hat Sammler wie Mick Flick, mit dessen Kollektion die Rieckhallen im Hamburger Bahnhof bespielt werden. Oder Heinz Berggruen, dessen Sammlung heute das gerade erweiterte und modernisierte Museum Berggruen darstellt.

Die Ankaufsetats werden immer kleiner oder gehen ganz gegen Null. Die Preise auf dem Kunstmarkt aber steigen in astronomische Höhen. Der Finanzkraft schwerreicher Unternehmer und Kunstsammler können besonders mittelgroße Museen kaum etwas entgegen setzen. „Ohne Schenkungen kein Museum“, fasst der Direktor des Wuppertaler Von der Heydt-Museums, Gerhard Finckh, zusammen. „Wenn man durch Museen geht und sich die Beschilderungen anschaut, realisiert man erst, wie wichtig private Schenkungen sind“, sagte auch Beat Wismer, Direktor des Museums Kunstpalast in Düsseldorf. Sein Haus hat in den vergangenen Jahren die großen Sammlungen zeitgenössischer Kunst Hanck und Kemp erhalten. Die Kollektion des Sammlers Willi Kemp gilt als eine der größten deutschen Privatsammlungen von Kunst nach 1950. Alles nimmt Wismer aber nicht. Wenn ein Angebot nicht in das Sammlungskonzept des Kunstpalastes passe, dann müsse er ablehnen.

„Die bedingungslose Schenkung gibt es ganz selten“, sagt Wismer. Grundbedingung sei die Werke mit derselben Sorgfalt zu behandeln wie die eigenen. Wenn aber jemand fordere, seine Sammlung permanent auszustellen, „dann haben wir ein Problem“.

„Wir freuen uns über Schenkungen ganz besonders“, sagt Museumsdirektor Finckh. „Wir schauen aber genau hin und lehnen auch viel ab.“ Dem Museum werden oft auch Nachlässe regionaler Künstler angeboten. Einige Werke sind in der Regel für das Museum von Wert, andere werden mit Zustimmung der Eigentümer verkauft. „Die Museen platzen aus allen Nähten und können nicht alles lagern“, sagt Finckh. Denn auch die Konservierung der Kunst kostet Geld und Arbeit.

„Schenkungen ermöglichen den freien Zugang zu Kunstwerken“, heißt es auf der Internetseite des Frankfurter Städel Museums. Etwa ein Drittel der permanent im Städel ausgestellten Werke sind Schenkungen. Allein 600 Werke hatte die Deutsche Bank aus ihrer Sammlung dem Museum überlassen, 220 Fotografien übergab die DZ-Bank.

Für Köln und Aachen waren die Schokoladen-Fabrikanten Irene und Peter Ludwig die Mäzene schlechthin. Mit der Schenkung von etwa 400 Werken hatte das kinderlose Ehepaar 1976 den Anstoß zur Gründung des Museums Ludwig gegeben. Die Kölner Museen erhielten nach dem Tod von Irene Ludwig Ende 2010 aus dem Nachlass fast 530 Werke geschenkt, darunter die bedeutende Kollektion russischer Avantgarde. Heute gibt es Museen in zahlreichen Städten, die den Namen Ludwig tragen – zum Teil wurden sie als Gegenleistung für die Kunstgeschenke gebaut.

Es kann allerdings auch anders kommen. So hat das Ehepaar Pietzsch der Stadt Berlin seine hochkarätige Surrealistensammlung vertraglich zugesagt. Bedingung ist aber, dass die Werke, verständlich, angemessen ausgestellt werden. Über den Standort für ein neues Museum, ein „Zentrum der Moderne“, allerdings ist ein erbitterter Streit entbrannt.