Wohnzimmerkonzerte

Musik zwischen Stoffsesseln, Bett und Sonnenschirm

Es muss ja nicht immer ein Stadion sein: Bei „Cosy Concerts“ spielen Bands in ihren Wohnzimmern

Dreißig Gäste. So viele müssen in Alexander Grünbarts Wohnzimmer Platz finden, wenn der Musiker am Sonntag ein Konzert gibt. In seiner eigenen Ein-Zimmer-Wohnung in Lichtenberg. Als Duo Step to Blue treten er und seine Partnerin Hanna Strzoda bei dem Musikzimmerfestival „Cosy Concerts“ auf, das dieses Wochenende stattfindet. Dabei geben fünf Künstler und Bands in der Stadt verteilt Wohnzimmerkonzerte.

Wohin mit den Zuschauern weiß Grünbart noch nicht so recht. Er steht in der Mitte des Raums und sieht sich um. Das Wohnzimmer ist rechteckig geschnitten und höchstens 25 Quadratmeter groß. Im Zimmer verteilt stehen zwei rote Holzstühle und zwei rostrote, abgesessene Stoffsessel. „Ich habe aber noch ein paar Klapphocker und Balkonstühle. Die Leute können auch auf den Tischen sitzen. Oder im Bett.“ Grünbart zeigt auf den Futon, der in einer Ecke des Zimmers liegt. Der Lattenrost war mal ein Gartenzaun. „Als Zuhörer im Bett des Musikers liegen, das hat doch was“, findet er und lacht. Auch zwölf Jahre Berlin verdecken seine Herkunft nicht: Er kommt aus Österreich. Jedes „das“ spricht er wie „des“ aus.

Als die „Cosy Concerts“-Veranstalter angefragt haben, ob Step to Blue beim Festival auftreten, haben sie sofort zugesagt. „Ein Konzert im eigenen Wohnzimmer ist doch eine super Idee, das hat Salon-Charakter wie in den 30ern“, sagt Grünbart. Längst sind die Wohnzimmerkonzerte ausgebucht, per E-Mail konnten sich Interessierte im Internet für die Vorstellungen anmelden. Eintritt kosten die Konzerte nicht, Spenden sind aber erwünscht. „Vielleicht wollen die Leute wissen, wie ein Musiker haust“, erklärt Grünbart den Erfolg des Festivals. „Dabei sieht es bei mir ganz normal aus.“ Mitten im Wohnzimmer steht ein alter Turnbock aus massivem Eichenholz, eine ausrangierte Badewanne vereinnahmt den halben Balkon und an einer Wand ist eine Sprossenwand befestigt, die bis zur Decke reicht. Zwischen zwei Sprossen hängt ein Porzellan-Clown in einem bunt gestreiften Anzug samt Sonnenschirm.

Auf eine Bühne verzichten Step to Blue. „Die würde nur eine Distanz zu den Zuschauern schaffen“, sagt Grünbart. Das Duo spielt in einer Ecke neben einem großen Fernseher, einem elektrischen Piano und einem angestaubten Schallplattenspieler, auf dem sich Dutzende CDs stapeln. Step to Blue machen Blues und Jazz. Grünbart spielt Trompete und Perkussion, Hanna Strzoda Gitarre. Beide singen dazu. Sie haben sich in Brasilien kennengelernt, seit einem Jahr treten sie gemeinsam auf. Dieses Mal aber wird alles anders als sonst. Als Gastgeber legt er die Regeln für das Konzert fest: „Schuhe können anbehalten werden, die Toilette darf jeder benutzen, ich habe ja extra Toilettenpapier gekauft“, erzählt der Musiker.

Abschlusskonzert 14.4., 20 Uhr, in der Möbelfabrik in Mitte. Eintritt: 8 Euro. Infos: www.cosy-concerts.de.