Konzert

Ein Meister kehrt zurück: Bryan Ferry im Admiralspalast

Bryan Ferry zu lieben, ist die Hölle.

Zu oft hat man sich in den vergangenen Jahrzehnten durch schlappe Platten gekämpft, zu oft trotteten Fans aus seinen Konzerten, neuerlich enttäuscht, dass der Dandy des Rock wieder nur als reisende Jukebox seine Hits herunterspielte. Die Zuschauer im ausverkauften Admiralspalast waren auf einiges gefasst. Auf eine Rückkehr zur alten Form allerdings nicht.

Moderator Jochen Trus, dessen Sender in der Reihe „105’5 Spreeradio Privatkonzerte“ eingeladen hatte, begrüßte mit der Ankündigung einer Premiere. Denn kurz vor Weihnachten hatte Ferry das recht kauzige Album „The Jazz Age“ veröffentlicht, auf dem ein aus versierten Danceband-Musikern zusammengestelltes Bryan Ferry Orchestra Titel aus Ferrys ruhmreicher Vergangenheit im Sound der 20er-Jahre vertonte. Im Admiralspalast sollten die Zuschauer nun erstmals hören, wie die bislang nur instrumental bekannten Titel klingen, wenn der Meister dazu singt.

Die Kombination von Woody-Allen-Sound und Ferrys Stimme funktioniert ganz wunderbar. Der Mann beherrscht das Genre, seine Liebesaffäre mit den Bildern und Tönen des frühen Hollywood hatte schon sein erstes Album, das Roxy-Debüt, mit der Hommage an Humphrey Bogart „2 HB“ verraten.

Klatschen und schütteln

Doch dann wird aus der Jazz-Soiree eine raue Rhythm-&-Blues-Revue. Kontrabass zur Seite, her mit dem E-Bass. Ferrys Gitarrist Oliver Thompson betritt die Bühne und bringt die erbarmungslos sägende Les Paul in Gefechtsbereitschaft. Jetzt tanzen die Backgroundsängerinnen im funkelnden Charleston-Kostüm wie in Trance zum Dschungelbeat, zum elektrischen Blues. Das Publikum, das bald die plüschigen Stühle verlässt, klatscht, schüttelt, was zu schütteln ist.

Mit 22 Jahren war Ferry von Newcastle nach London getrampt, um einmal im Leben den Southern Soul des Stax-Labels bei einem England-Gastspiel zu erleben. Sam & Dave, Steve Cropper, Otis Redding. „Es war meine Erleuchtung“, sagte er später. Diesen Sound spielt Ferry nun im Admiralspalast. Den Sound seiner Studentenband „Gas Board“. „Hold on, I‘m coming“ erklingt, „Back to black“ von Amy Winehouse, „Move on up“ und „Let‘s Stick together“, zu dem im 70er-Jahre-Video einst Ferry-Darling Jerry Hall über die Bühne tigerte.

Zum Abschluss verneigt sich Bryan Ferry tief vor dem Publikum, also jenen Leuten, denen er über die Jahre viel Kummer bereitet hat. An diesem Abend hat er sein Image geliftet. Der 67-Jährige hat seinen Nachlass geordnet, er will nicht in Erinnerung bleiben als Fabrikant von 80er-Jahre- Schmusepop für die Engtanzrunde. Auf seine recht alten Tage hat Ferry an diesem Abend gezeigt, wo seine Herkunft liegt, was ihn bewegt, was ihn immer angetrieben hat.