Ausstellung

„Vielleicht finde ich was für meine Freundin“

Die Kunsthalle der Deutschen Bank Unter den Linden hat für einen Tag geöffnet. Der Besucherandrang ist gewaltig

Wieder ist die Schlange vor der Tür lang. Für kurze Zeit gibt es sogar einen Einlass-Stop. Jetzt aber drängen die Besucher nach innen. Die Tage zuvor waren es die Künstler. Aber unterscheiden konnte man die auch nicht von den Menschen, die jetzt anstehen. Touristen, Studenten, Rentner, Menschen in der Mittagspause, eigentlich der gesamte Querschnitt der Gegend um Unter den Linden und die Friedrichstraße. Hier hat die Deutsche Bank Kunsthalle zum ersten Mal geöffnet. Männer mit den teuren Jacketts rauchen noch eine Zigarette vor der Halle. „Vielleicht find' ich was für meine Freundin“, meint der mit den hellblauen Bootsschuhen zu dem mit den Budapestern. Dabei kann man die Arbeiten gar nicht direkt hier kaufen. Aber vermittelt wird natürlich schon. Am Eingang kann man Namen und Emailadresse hinterlassen, wenn man an einem Werk interessiert ist.

Langsam wird die Luft dünn und feuchtwarm. Kellner balancieren geschickt mit Sekt und Saft beladenen Tabletts. Und dann telefoniert man sogar mit einem Künstler. Auf einem Bild, es zeigt eine Affenmutter, die ihr Junges hält, ist nämlich eine Zahlenkombination geschrieben, die an eine Telefonnummer erinnert. „01638074218“ steht in schwarz über das Grau der Malerei geschrieben. Nach einigen Freizeichen meldet sich dann Will Kempkes.

Auf dem Weg zu einer Galerie

Will ist 26 und in Kreuzberg geboren. Er hat heute schon mit fünf Anrufern gesprochen. Einen Anruf hat er leider verpasst, aber wenigstens eine SMS hat er dann zurückgeschrieben. Robert hat an der UDK studiert und ist ab dem Sommer dann Meisterschüler bei dem Professor Robert Lucander. Auch wieder an der UdK. Wer schon mal in der Bar Babette, im MicaMoca oder der Sammlung Lützow als Gast war, kennt seine Arbeiten vielleicht schon. Kemkpen ist auf einem sehr guten Weg von den alternativen Ausstellungsräumen den Weg zu einer richtigen Galerie zu finden. Seine Idee ist jedenfalls famos. Gut, eigentlich ist sie platt. Aber seine Arbeit ist dann doch wieder so gut, dass das bloße Nummerndraufschreiben eben nicht platt ist. Den fünf Anrufern, mit denen er gesprochen hat, gefällt seine Arbeit übrigens auch.

Neben den Bildern hängen Nummer und Name. Die Nummer können die Besucher auf einen Stimmzettel schreiben. Der Gewinner unter den Künstlern erhält dann ein Atelier-Stipendium. Eine vernünftige Idee. Sind doch unter den Namen noch viele Kunststudenten oder eben Meisterschüler. Also noch in der Ausbildung befindliche Künstler.

Die Qualität der Arbeiten ist ziemlich hoch. Natürlich hängt unter den 344 Stücken auch mal ein Kinderspaß. Isabell zum Beispiel hat sich in einem Spiegel so fotografiert, dass man sie am Ende zehn mal sieht. Andererseits arbeitet Olafur Eliasson, der dänische Künstler, gerade mit solchen Spiegelinstallationen und beschäftigt sich so mit der Wirkung von Raum und Zeit im Verhältnis zur Unendlichkeit, die in solchen Blicktunneln liegen. Isabell findet es wahrscheinlich einfach nur spitze, dass ihr A4-Ausdruck mal irgendwo hängt.

Erstaunlich ist, dass die wohl am meisten vertretene Kunstform die Malerei ist. Sicher, es konnten nur Werke eingereicht werden, die hängbar sind. Aber so viel Malerei? Von den 344 sind vielleicht ein Prozent Installationen. Collagen sind auch wenige dabei. Leider sind die Werke teilweise so hoch gehängt, dass man den Urheber gar nicht mehr ausmachen kann, weil der Name von unten gar nicht mehr lesbar ist.

„Ich will nicht länger hier bleiben“, sagt jetzt ein Rucksack-Tourist. Die Menschen würden ihm zu viel, gibt er seiner Begleitung zu verstehen. „Schade. Ich hab noch gar nicht alles gesehen“, kommt dann die Antwort. Sie hält jetzt verständnisvoll und schützend seine Hand und zusammen gehen sie nach draußen. Viele bleiben aber, trotz der immer stärker werdenden Wärme. „Die große Rasse“, ein Bild von Robert Conev, hängt ganz alleine an der Wand, die zum kleinen Studiobereich im hinteren Teil führt. Ein prominenter Platz. 2008 hat er die Arbeit an seinem Bild abgeschlossen. Eine Frau ist zu erkennen. Sie steht in einem kunterbunten Pop-Art-Wald. Man sieht Conev seinen Lehrer an Er lernte in Nürnberg von Johannes Grützke, dem Begründer der Schule der neuen Prächtigkeit. Farbenfroh, fast comichaft, aber doch irgendwie realistisch.

Vor der Tür ist wieder Einlass-Stop. Und höchstwahrscheinlich klingelt gerade Wills Telefon. Und für Conev stimmt einer ab. Aber nicht mehr lange, dann ist alles nur noch gewesen. Die Besucher sind weg, aber die Künstler machen weiter Kunst.