Ansprüche

Rechtsstreit um Picasso

Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy reichen Klage ein

Nach jahrelangem Streit fordern die Erben des jüdischen Kunstsammlers Paul von Mendelssohn-Bartholdy ein wertvolles Picasso-Gemälde nun per Gericht vom Freistaat Bayern zurück. In dem Dokument, das das zuständige US-Anwaltsbüro zuvor veröffentlicht hatte, geben die Erben an, dass Mendelssohn-Bartholdy das Werk „Madame Soler“ nur aufgrund der Verfolgung durch die Nationalsozialisten verkauft habe.

Bis jetzt sei die Klage nicht offiziell zugestellt, sagte eine Sprecherin des Bayerischen Kunstministeriums am Dienstag. Zunächst müsse der Wortlaut der Klage geprüft werden. Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen hatten Rückgabeforderungen bereits 2010 abgelehnt. Aufgrund der ihnen vorliegenden Dokumente und Recherchen seien sie zu der Ansicht gelangt, dass es sich nicht um einen verfolgungsbedingten Verkauf handelte, hieß es 2011. Demnach hatten die Erben auch vor 2009 nie Ansprüche auf das Bild erhoben.

Dem jüdischen Bankier – einem Neffen des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy und Nachfahren des Aufklärungs-Philosophen Moses Mendelssohn – gehörte bis 1935 eine große Kunstsammlung, darunter mehrere Gemälde von Pablo Picasso (1881-1973). Kurz vor seinem Tod verkaufte er zahlreiche Werke an den jüdischen Kunsthändler Justin K. Thannhauser. Das Werk „Madame Soler“ ging dabei zwischen Juli 1934 und August 1935 an Thannhauser, und zwar offenbar über eine Filiale Thannhausers in der Schweiz.

Vor einer Beschlagnahmeaktion in Paris um 1940 gelang es Thannhauser, einen Teil seiner Gemälde aus der Stadt herauszubekommen. Es könne davon ausgegangen werden, dass das Bildnis der „Madame Soler“ zu den Werken gehört, die Thannhauser nach New York bringen konnte. In New York habe das Bild in seinen privaten Wohnräumen gehangen. In den 1960er Jahren bemühten sich die Staatsgemäldesammlungen in München um das Bild; Thannhauser, der selbst nie wieder deutschen Boden betrat, verkaufte das Bild in seine frühere Heimat.