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Anton Haberditzl (50), Buchhandlung Lesezeichen, Hohenzollernplatz 7, Nikolassee: Hartmut Langes neuer Novellenband „Das Haus in der Dorotheenstraße“ spielt im Südwesten Berlins. Dreh- und Angelpunkt sind der Teltowkanal und der zerfransende Übergangsbereich zwischen Stadt und Land. Die fünf Novellen haben etwas überaus Geheimnisvolles. Mit nebligen Szenerien, Krähen und Schatten muten sie englisch entrückt an. All das ist Kulisse für private Katastrophen und Sinnkrisen, die der Berliner Autor mit kristallklaren Sätzen eher andeutet als ausformuliert. Da ist etwa der Bürgermeister von Teltow, der von einem Schatten regelrecht verfolgt wird. Oder der Taxifahrer, dessen Frau gestorben ist, woraufhin er die schöne gemeinsame Wohnung aufgegeben hat, in die er nun einbricht. Wunderbar literarisch, erzeugen die Novellen einen leichten, ästhetischen Grusel. Mit dem Lokalkolorit des Berliner Südwestens in herbstlichen Zeiten überzeugend poetisch.

Hartmut Lange: Das Haus in der Dorotheenstraße. Diogenes Verlag, 128 Seiten, 19,90 Euro.