Ballett-Kritik

Staatsballett überwältigt mit Béjarts „Ring um den Ring“

Vor annähernd einem Vierteljahrhundert wurde in der Deutschen Oper Maurice Béjarts gewaltiges Wagner-Ballett „Ring um den Ring“ uraufgeführt: eine ganz und gar unorthodoxe Tanzschwelgerei.

Zehn Jahre lang hatte der französische Choreograph zuvor an seinem Opus magnum gearbeitet. Im Jahr 2004 nahm man sie wieder ins Repertoire auf, Béjart selbst war mit von der Partie, und ließ ihr ihren gewaltigen freien Auslauf auf der Bühne. Jetzt also ist der einzigartige fünfstündige Tanzhappen wiedergekehrt und mit ihm die alte Sensation, die er einst hervorrief.

Aber mehr noch: das Staatsballett Berlin zeigt sich in einer Hochform sondergleichen. Was auch immer man an Ballettchef Vladimir Malakhov herummoserte, bis man ihn endlich aus Berlin vertrieb, er hat deutlich ein Ensemble hinterlassen, um das man Berlin nur beneiden kann. Es ist jung, forsch und gestaltungsfreudig. Es hält mit seinen Energien keinen Augenblick lang hinter dem Berg.

Da ist Rainer Krenstetter als Loge, ein Spaßvogel voller Gefährlichkeit, gemischt mit Frohsinn. Da ist Vladislav Marinov als rachsüchtiger Alberich, als Siegmund tanzt heldenhaft hochaufgerichtet, Ibrahim Önai daher. Hagen ist voll tänzerischem Starrsinn der mordsgefährliche Wieslaw Dudek. Als Siegfried glänzt Michael Banzhaf wahrhaft heldenhaft in die Runde, übertroffen vielleicht nur durch den blutjungen Siegfried, den Marian Walter fröhlich auf seine exzellenten Beine stellt. Er ist der unternehmungsfreudigste Tänzer des Abends.

Es ist schon wahr: die Damen kommen bei Béjart leider nicht zu ihrem ihnen seit Ewigkeiten verbürgten Tanzrecht. Naida Saidakova muss sich mit einer choreographisch eher mikrigen Brünnhilde begnügen. Viel Aufhebens kann auch die Gutrune von Elena Pris nicht von sich machen. Dafür donnern die Mannen aufs Imponierendste vor sich hin. Mitunter scheint es, als würden sie die Bühne ein für allemal ruinieren wollen. Tun sie aber nicht! Deshalb kann dieser einzigartige „Ring um den Ring“ am 6..14., 19. April weiter gezeigt werden. Nichts wie hin!