Klassik-Kritik

Beethoven-Experte Rudolf Buchbinder flirtet auf den Tasten

Der Applaus will einfach nicht aufhören. Schon zum vierten Mal kehrt der Pianist Rudolf Buchbinder ein wenig steifbeinig auf die Bühne im Kammermusiksaal zurück.

Dennoch gibt er keine Zugabe – was soll er auch noch spielen, nach so einem tiefschürfenden Konzert?

Es geht an diesem Abend mal wieder um Ludwig van Beethoven. Rudolf Buchbinder bringt den vierten Teil seines Sonatenzyklus aus Wien mit. Ausgewählt hat der Pianist dazu eine ganz frühe, zwei mittlere und eine sehr späte Klaviersonate, die „Hammerklavier-Sonate“. Er unternimmt so mit dem Zuhörer eine Reise quer durch das kompositorische Schaffen Beethovens. Das tut er mit Bravour. Doch etwas anderes war nicht zu erwarten. Schließlich gilt der Österreicher Rudolf Buchbinder seit fast 40 Jahren als Beethoven-Experte. Ein Höhepunkt war die Auszeichnung mit dem Echo-Klassik im vergangenen Jahr für eine Gesamtaufnahme der Klaviersonaten.

Das Konzert beginnt mit der Sonate Nr. 6 in F-Dur. Buchbinder spielt hörend, nicht selbstdarstellend. Tief über die Tasten gebeugt, verrät nur sein abwechslungsreiches Mienenspiel, was in ihm vorgeht, wenn er diese Musik hört. Manchmal drohen seine Augenbrauen fast aus dem Gesicht zu fallen, so überrascht schaut er bei einigen harmonischen Wendungen. Man sieht ihm den Spaß an der Musik in jeder Gesichtsregung an. Besonders die G-Dur-Sonate Nr. 20 scheint es ihm angetan zu haben. Hier tritt er als Handpuppenspieler auf. Rechte und linke Hand befinden sich dabei in einem heftigen Flirt. So trillert die Rechte los, dann zwitschert die Linke zurück. Buchbinder blickt zwischen seinen Händen hin und her, lächelt ob ihres Geplänkels. Er freut sich ebenso diebisch, als das Publikum nach dem zweiten Satz der F-Dur-Sonate zu klatschen beginnt. Er senkt lächelnd den Kopf, schüttelt ihn leicht. Aber der unübliche Zwischenapplaus scheint ihn mehr zu amüsieren als zu ärgern.

Nach der Pause kommt dann der Hammer des Abends, im wahrsten Sinne des Wortes. Die „Hammerklavier-Sonate“ ist ein einziger Fingerbruch – außer man ist Rudolf Buchbinder und steht über technischen Schwierigkeiten. Da ist nichts zu merken von den „Würschtelfingern“, wie er es einmal im Interview ausdrückte. Geradezu gnadenlos perfekt perlen die Läufe, wuchtig tönen die Akkordsprünge in beiden Händen. Man ist ein wenig erschlagen nach diesem Beethoven-Konzert. Eigentlich keine Stimmung für irgendeine Zugabe.