Fernsehen

„Der Turm“ siegt beim Grimme-Preis

Triumph der Öffentlich-Rechtlichen: Das umstrittene Dschungelcamp geht leer aus

Am Ende ist dann doch noch einmal alles gutgegangen. Als das Prekariats-Format par excellence, das RTL-Dschungelcamp „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ für einen Grimme-Preis nominiert wurde, da sahen viele schon das Ende des Abendlandes gekommen. Oder doch den des Grimme-Preises als letztes Bollwerk des seriösen Fernsehens. Denn als solches haben sich auch die Preisverleiher in Marl verstanden. Aber am Ende bekamen die Kakerlakenbäder und Känguruhoden-Mahlzeiten dann doch keinen der begehrtesten deutschen Fernsehpreise. Und die ganze Aufregung im Vorfeld verpufft im Nichts.

Der große Abräumer bei den Preisen, die gestern verkündet wurden, ist der ARD-Zweiteiler „Der Turm“. Die aufwändige Verfilmung von Uwe Tellkamps Romanbestseller über zwei bildungsbürgerliche Familien in den letzten Tagen der DDR wurde nicht nur als bester Mehrteiler ausgezeichnet. Preise gab es auch für die Regie (Christian Schwochow), das Drehbuch (Thomas Kirchner), die Ausstattung sowie für gleich drei Schauspieler: Jan Josef Liefers, Claudia Michelsen und Sebastian Urzendowsky.

Weitere Trophäen gehen an den ZDF-Film „Der Fall Jakob von Metzler“, der den Entführungsfall des Frankfurter Bankierssohn rekonstruierte, an das Selbstmorddrama „Der letzte schöne Tag“ (WDR), und Matti Geschonnecks Gerichtsdrama „Das Ende einer Nacht“ (ZDF). Die Mehrheit bei Grimme bleibt damit fest in öffentlich-rechtlicher Hand. Von den zwölf Preisen gehen überhaupt nur zwei an private Anbieter: ProSieben wird für seine „Switch Reloaded“-Spezialausgabe zu „Wetten, dass..?“ bedacht. Und mit der Auszeichnung von „Add a friend“ auf TNT Serie beweisen die Juroren, dass sie nicht nur die klassischen Kanäle gucken. „Add a friend“ ist die erste Serie, die je von einem deutschen Bezahlfernsehsender produziert wurde. Und sie handelt von Social Media. Auch damit erweist sich die Jury offen und zeitgemäß.

Bei den Preisen spiegelt sich der auch gegenwärtig im Fernsehprogramm zu beobachtende Trend zur Zeitgeschichte deutlich wieder. Verliehen werden die Grimmes, die nicht dotiert sind, aber einen Nimbus haben, der jede Lola und jeden Berlinale-Bären in den Schatten stellt, am 12. April in Marl.