Fernsehen

Lachen und weinen

Fernsehen an Ostern: Actionreiche Filme und ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten

Feiertage sind die Möglichkeit, einmal auszuspannen. Zur Besinnung zu kommen. Zeit für die Familie zu haben. Gerade Ostern als wichtigstes Kirchenfest könnte auch ein Anlass sein, einmal über höhere Dinge und Werte nachzudenken. Aber viele wissen heutzutage damit leider gar nichts anzufangen – und wissen auch gar nicht, was sie bei geschlossenen Kaufhäusern mit all der Freizeit anstellen sollen. Das bekommt auch dem Familiensegen nicht immer. Wie gut, dass es da das Fernsehen gibt. Da Ostern dieses Jahr außerdem ins Wasser oder doch in Graupelregen fällt, dürfte das Eiersuchen im Grünen ausfallen. Noch ein Grund mehr, sich aufs Fernsehen daheim im Warmen zu freuen. Wir haben uns schon mal umgesehen, was uns da so alles erwartet.

Die Passion Christi

Früher gab es an Ostern gerne hartes Kontrastprogramm: die erbaulichen Bibelfilme auf der einen und blutige Action-Knaller auf der anderen Seite. Jesus-Filme findet man in diesem Jahr kaum. Das Alibi-Gegenteil aber erfüllt gleich beide Kriterien: Mel Gibsons zehn Jahre alte „ Passion Christi“ ist ein Film, der noch immer das Publikum spaltet. Wir haben damals bei der Kinopremiere Geistliche ergriffen weinen sehen, der Großteil des Publikums aber war geschockt über die weidlich ausgestellte Gewalt, bei der Jesus Christus so blutig gepeitscht und gepeinigt wird, dass er eigentlich schon vor dem Kreuz längst hätte tot sein müssen. Da hilft es auch nicht, dass der Film auf Aramäisch gedreht wurde, eine Sprache, die heute keiner mehr versteht.

Kabel 1, Karfreitag, 0.15 Uhr

Ein weites Herz

Für christliche Gefühle müssen andere Filme herhalten: Das Biopic „Luther“ mit Joseph Fiennes: Die Bestseller-Verfilmung „Die Päpstin“. Oder der internationale Zweiteiler „Ihr Name war Maria“, der das Leben der Mutter Gottes erzählt. Neuproduktionen sind an Feiertagen selten, weil die Sender bei der starken Konkurrenz schwache Quoten befürchten. Eine aber strahlt das ZDF doch aus: „Ein weites Herz“, mit Nadja Uhl, Iris Berben und Friedrich von Thun hochkarätig besetzt, passt bestens in die derzeitige Debatte um „Unsere Mütter, unsere Väter“: Erzählt wird die – wahre – Geschichte von Isa Vermehren, die im Dritten Reich Courage zeigte und Kabarettlieder gegen die Nazis sang. Die in Sippenhaft ins KZ kam, als ihr Bruder zum Feind überlief, und dabei zum Glauben fand und schließlich Nonne wurde. Die echte Isa Vermehren starb vor vier Jahren und hat jahrelang im Ersten „Das Wort zum Sonntag“ gesprochen.

Ostermontag, ZDF, 20.15 Uhr

Ein Fall für zwei: Letzte Worte

„100 Folgen okay“:Mit diesen Worten auf einer Restaurantquittung soll Claus Theo Gärtner sich einst für die Krimiserie „Ein Fall für zwei“ verpflichtet haben. 300 Folgen sind es am Ende geworden. Aber die Jubiläumsfolge soll nun auch die letzte sein: Kurz vor Gärtners 70. Geburtstag am 19. April nimmt er als Detektiv Josef Matula den Hut. Einst wurde Gärtner, 1981 war das, als junger Side-Kick neben dem alten Anwalt Günter Strack besetzt. Seither hat er an seiner Seite mehrere Anwälte erlebt und ist längst selbst der Senior-Partner, dem das Rennen und Springen nicht mehr so leicht fällt. Diesmal muss der Detektiv seinen Anwalt selbst aus dem Gefängnis holen und wird auf einer Baustelle fast in Zement gegossen. Ob sein Matula am Ende den amerikanischen Weg geht und den Serientod stirbt, das wollen wir an dieser Stelle aber nicht verraten.

Karfreitag, ZDF, 20.15 Uhr

Til-Schweiger-Tag

Ostern ist dieses Jahr irgendwie auch ein Til-Schweiger-Festival. Das mag Deutschlands einzigem echten deutschen Star ein kleiner Trost sein nach dem feigen Anschlag auf sein Haus und das Auto seiner Freundin. In „Kokowääh“ spielt er einen in den Tag lebenden Drehbuchautor, der plötzlich vor neue Aufgaben gestellt wird, als vor der Tür seine halbwüchsige Tochter steht, von der er bis dato gar nichts wusste. Schweiger war auch in echt Drehbuchautor, darüber hinaus Regisseur und Hauptdarsteller. Und natürlich wird seine Filmtochter auch von seiner echten Tochter Emma gespielt. Die TV-Premiere veredelt Sat.1 nicht nur den Ostersonntag zur Prime Time (20.15 Uhr), „Kokowääh“ wird am Montagnachmittag gleich noch einmal wiederholt, eingebettet in zwei andere Schweiger-Hits: „Keinohrhasen“ und „Männerherzen“. Also Keintilwääh!

Oben

Ein Film für die ganze Familie ist „Oben“, nach „Findet Nemo“ einer der rührendsten Trickfilme aus dem Erfolgsstudio Pixar. Ein Junge verliebt sich in ein Mädchen, das wie er von Abenteuern träumt. Sie werden groß, sie werden alt und schließlich stirbt die Frau. Das wäre eigentlich schon genug für einen ganzen Film, füllt hier aber gerade mal den Prolog. Denn dann macht der Witwer wahr, worum ihn die Frau testamentarisch bittet. Der einstige Luftballonverkäufer pumpt sein Haus mit tausenden Ballons auf und schwebt mit ihm titelgerecht in die Höh’. Zwangsbegleitet von einem naseweisen Pfadfinder, der gerade auf seiner Schwelle stand. So federleicht kann Fantasie sein! Und so einfach sind Alt und Jung zusammenzubringen. Auch ohne den 3-D-Effekt aus dem Kino ein absoluter Genuss.

Ostersonntag, RTL, 20.15 Uhr

Tatort: Macht und Ohnmacht

Keine Feiertage ohne Tatort. Auch wenn man da, siehe oben, eher auf Wiederholungen setzt. Am klassischen Sonntag-Termin ist denn auch mit „Mord in der ersten Liga“ ein alter Fall mit Maria Furtwängler im Hooligan-Milieu zu sehen. Einen Tag später aber übernehmen die Kollegen Wachveitl und Nemec aus München einen aktuellen Fall. Und Wiedersehn’n macht Freude: Dort kehrt einmalig Michael Fitz zurück, der vor fünf Jahren als Dritter im Bunde aus dem Münchner „Tatort“ ausstieg. Als Hotelier in Thailand trägt er jetzt Leinenanzug statt Zopf. Mit der Polizei-Arbeit hat er eigentlich nichts mehr am Hut, aber als ein Kollege ins Visier von Ermittlungen kommt, hilft er seinen alten Spezl natürlich doch noch mal.

Ostersonntag ARD, 20.15 Uhr

Die Biene Maja

Und noch ein Comeback. „Die Biene Maja“ hat mit ihren Freunden, dem dicken Willi und dem Grashüpfer Flip, in den siebziger Jahren eine ganze Generation von Kindern geprägt: mit dem Titelschlager eines Tschechen und den Bildern aus einem japanischen Animationsstudio. Das war damals noch echte Hand- und Pinselarbeit. Jetzt brummt sie in völlig neuem Design noch einmal durch die Fernsehwiesn: diesmal als Computeranimation, mit einer völlig überarbeitetem 3-D-Optik – und einem Tempo, dass die Kids in den siebziger Jahren noch deutlich überfordert hätte. Auch Karel Gott musste Helene Fischer weichen.

Karfreitag, ZDF, 8.35 Uhr

Bruce-Willis-Festival

Bruce Willis ist ja eigentlich unser Mann für Weihnachten, weil zumindest die ersten beiden Teile von „Stirb langsam“ an Heiligabend spielen. Das ist aber kein Problem für Sat.1, neben seinem Til-Schweiger-Schwerpunkt auch die bewährte Tannenbaum-Action in den Osterkorb zu legen. „Stirb langsam“ gibt es am Karfreitag um 22.20 Uhr zu sehen, „Stirb langsam 2“ am Ostersonntag (22.55 Uhr). Eine schöne Ergänzung zu Teil 5, der derzeit im Kino läuft, und Teil 4, der erst kürzlich auf Vox wiederholt wurde. Aber warum kommt dann nicht Teil 3 am Ostermontag? Stattdessen gibt’s in der Nacht zu Dienstag (2.35 Uhr!) mit „16 Blocks“ deutlich weniger zündende Action mit Master Bruce.