Erstling

Vom Poetry-Slam-Titel zum gelungenen Romandebüt

Berlinmüde, szenemüde und auf der Suche nach dem richtigen Leben: Schüttler und Robert kennen diesen Zustand nur zu gut. Schüttler ist bei einer Boulevardzeitung von der „Klatschratte“ zum „Kunstwolf“ aufgestiegen. Überheblich ist er, lässt an keinem ein gutes Haar. Hipster, diese Szeneaffen mit Hornbrille, hat er zu seinen Feinden auserkoren. Überhaupt hat er sich irgendwie dem Hass verschrieben. Sanft, zweifelnd, nachdenklich und vor allem unglaublich in Luca verliebt, ist dagegen Robert, weshalb er ihr nach Indien nachreist.

In Julian Heuns gelungenen Romandebüt „Strawberry Fields Berlin“ kommen seine beiden Protagonisten im Wechsel zu Wort. Der bekannte Poetry-Slammer Heun, 1989 in Berlin geboren, studierte Literaturwissenschaft an der FU Berlin und belegte bei der Poetry-Slam-Weltmeisterschaft in Paris den 4. Platz. Das Schreiben beherrscht Heun. Rasant trifft er Ton und Gefühlslage seiner Figuren, plastisch sind auch die Schauplätze. Mit Ironie und so manchen Wortschöpfungen spielt der 23jährige Autor gekonnt mit dem Selbstverständnis und Gebaren der verschiedenen Szenen.

Da ist der Blick auf ein Hippie-Camp in Indien, in dem Robert landet und das sehr an die 60er-, 70er-Jahre erinnert. Oder der Blick auf das Bezirksranking, das Neu-Berliner und Berliner nicht lassen können. Am Ende gelingt Julian Heun ein Coup, eigentlich könnte man den Roman noch ein zweites Mal lesen.

Julian Heun: Strawberry Fields Berlin. Rowohlt, Berlin. 224 Seiten, 18,95 Euro