Klassik-Kritik

Nils Mönkemeyer lässt die Bratsche warm singen

Nils Mönkemeyer betritt schwungvoll die Bühne im Kammermusiksaal.

Er legt die Bratsche ans Kinn, ordnet kurz seine Kleidung, hält inne und beginnt zu spielen. Der Hörer ist verwundert – das Stück kennt man doch! Es ist die Suite Nr. 1 G-Dur von Bach, eigentlich eine Komposition für Violoncello. Knackig und trocken artikuliert Mönkemeyer die Sechzehntel am Frosch, dabei wird jeder Ton einzeln von seinem Bogen gepflegt. In den langsamen Passagen lässt er das Instrument warm singen. Bei überraschenden harmonischen Wendungen im Werk reißt er die Augen auf, schaut herausfordernd ins Publikum. Er flirtet mit der Musik und dem Publikum.

Doch es ist noch etwas anderes, was diesen Abend wertvoll macht. Mönkemeyer erhält nämlich Verstärkung durch den Klarinettisten David Orlowsky und den Pianisten William Youn. Begonnen wird mit drei Stücken aus op. 83 von Max Bruch. Schon in den ersten Phrasen des „Allegro con moto“ wird klar, dass hier ein gut funktionierendes Gespann auftritt. Allein optisch sind die drei in voller Harmonie: Nils Mönkemeyer bewegt sich beim Spiel sehr viel, löst dadurch eine Kettenreaktion aus: David Orlowsky wird davon angesteckt, schwankt von der einen zur anderen Seite. Und auch die Handgelenke von William Youn können sich den Bewegungen Mönkemeyers nicht entziehen: sie ahmen sie in Wellenbewegungen nach. Es ist ein bisschen wie stille Post.