Klassik-Kritik

Wie Dirigent Mark Elder einem König nachweinte

Das ist schon selten, dass ein Dirigent auf dem Podium, statt zum Taktstock zu greifen, sich ein Mikrofon angelt, um den Hörern das bevorstehende Werk nachdrücklich ans Herz zu legen, selbst wenn es schon hundert Jahre alt ist, wie die 2. Sinfonie von Edward Elgar.

Sir Mark Elder führte sie in der Philharmonie mit dem großartigen Deutschen Symphonie-Orchester Berlin auf und erntete reichen Beifall, allerdings wohl mehr für das Orchester und sich selbst als für den Komponisten.

Elgar aber war im Grunde selbst schuld daran. Jeder Satz ist ungefähr fünf Minuten zu lang. Das addiert sich nach Adam Riese bei vier Sätzen zu endlosen zwanzig Minuten. Um die ist die 2. Sinfonie Elgars einfach zu weitschweifig. Dabei ist das Lento des 2. Satzes allein schon ein Wunder an auskomponierter Traurigkeit. Es heißt, Elgar habe mit diesem Satz dem gerade verstorbenen König Eduard VII. nachgeweint. Wenn das stimmt, ist der König noch heute darum zu beneiden. Das sinfonische Meisterwerk des Abends stammte von Mozart. Es war das seit langer Zeit ehrfurchtsvoll als „königlich“ bezeichnete Klavierkonzert Es-Dur KV 482, und königlich wurde es auch von Imogen Cooper vorgetragen. Gtl