Bühne

Große Oper und auch kleine Misstöne

Deutsche Oper eröffnet die neue Saison mit Verdi

Den wichtigsten Satz sagte weder der Intendant, noch der Generalmusikdirektor, sondern der Geschäftsführer. „Das letzte Jahr ist gut gelaufen“, sagte Thomas Fehrle gestern einfach so dahin und gab damit zu verstehen, dass es an der Deutschen Oper darum geht, dass bei den Zahlen möglichst nichts mehr aus dem Ruder läuft. Dass heißt auch, dass die Auslastung nicht unter die 80-Prozent-Marke fällt. Und so wird in der nächsten Spielzeit das große Publikum nicht provoziert, sondern mit beliebter Opernware und guten Sängerbesetzungen versorgt. Das Verdi-Jahr bietet eine ideale Vorlage für bejubelbare Premieren: Es beginnt am 8. September mit „Nabucco“ in der Regie von Keith Warner. Seine Inszenierung löst die vom provokanten Hans Neuenfels ab. Es folgt am 17. November „Falstaff“, geleitet von Generalmusikdirektor Donald Runnicles, inszeniert von Christoph Loy.

Donizettis „Der Liebestrank“ (Premiere: 25.4.2014) wird von Irina Brook inszeniert. Darüber hinaus pflegt der Brite Runnicles wieder seine heimische Spielwiese und lässt David Alden „Billy Budd“ von Benjamin Britten inszenieren. Premiere ist im Mai. Zuvor im Februar bringt er Berlioz‘ „Fausts Verdammnis“ mit Christian Spuck auf die große Bühne. Intendant Dietmar Schwarz lobt bei der Jahresvorschau die Deutsche Oper als „das große Repertoirehaus“ und zugleich den „Raritätenstatus“. Zu den sieben Premieren gehören noch die beiden konzertanten Aufführungen von Donizettis „Maria Stuarda“ und Massenets „Werther“.

Moderne Obermaschinerie

Die eigentliche Eröffnung verspricht dagegen etwas Zeitgenössisches: Mauricio Kagels Stück „Die Himmelsmechanik“ wird im lichtdurchfluteten Foyer installiert, mit einem Lautsprecher-Kranz und allerlei Drumherum. Die Premiere ist bereits am 22. August und findet statt, während auf der Bühne noch die Sanierungsarbeiten laufen. Bereits jetzt Anfang Mai schließt die Deutsche Oper, um in die nächste Phase der Modernisierung der Obermaschinerie zu wechseln. Die Technik stammt noch von 1961 und ist bereits in Teilen stillgelegt. Insgesamt 20 Mio. Euro werden verbaut.

Derweil wird in der neu eröffneten Tischlerei weiter gemacht. Bemerkenswert sind sie schon, die Profilierungsversuche der neuen Spielstätte. Es gibt Hochschulproduktionen, aber auch eigene Versuche. Witzig klingt das Projekt „Das große Buh“, wo man mit Protestgeräuschen ums Haus ziehen will. Da gibt es historisch einiges aufzuarbeiten, vom Schah-Besuch bis hin zum „Idomeneo“-Streit um den Kopf des Propheten.

Die Deutsche Oper ringt noch um eine Haltung zu Sasha Waltz, die bei Daniel Barenboim an der Staatsoper Projekte übernimmt. Noch bei seinem Amtsantritt 2009 hatte sich Runnicles gewünscht, „dass die wunderbare Choreographin Sasha Waltz mit ihrer Gruppe regelmäßig an die Deutsche Oper kommt.“ Aus welchen Projekten auch immer ist aber nichts geworden. Lediglich die Koproduktion mit Mailand von Sasha Waltz’ „Romeo et Juliette“ findet im Februar 2015 den Weg nach Charlottenburg. Allerdings auch deshalb, so Intendant Dietmar Schwarz, weil die Produktion im kleinen Schiller-Theater bei Barenboim gar nicht unterkommen kann. Das ungelöste Thema um Sasha Waltz und ihre unterfinanzierte Compagnie sorgt offenbar hinter den Kulissen für kleine Misstöne. Am 11. April, wenn die Staatsoper ihre Jahresvorschau zusammen mit Sasha Waltz macht, kommt wohl etwas Licht ins Dunkle.