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Gerrit Schoof (43), Das besondere Buch, Göhrener Str. 2, Prenzlauer Berg: Annemarie Weber 1966 erstmals erschienener, im letzten Jahr wieder veröffentlichter, autobiographisch geprägter Roman „Westend“ schildert die Erlebnisse von Elsa Lewinsky in den letzten Kriegstagen 1945 und den ersten Nachkriegsjahren. Der alltägliche Schrecken wird dabei sehr anschaulich eingefangen. Elsa glaubt zunächst nicht, dass die Rotarmisten alle Frauen vergewaltigen, bis sie es selbst erlebt. Um einer erneuten Vergewaltigung zu entgehen, wird sie die Geliebte eines sowjetischen Offiziers. Als dann die Briten kommen, nimmt sie einen zum Liebhaber und arbeitet für die Alliierten. Sie wird im Laufe der Zeit immer selbstständiger. Gleichzeitig schreibt sie liebevolle Tagebucheintragungen an ihren vermissten Verlobten. Bei seiner Rückkehr ist er ein traumatisierter Soldat, sie eine selbstbewusste Frau. Ein beeindruckender Bericht darüber, wie man den größten Widrigkeiten begegnet.

Annemarie Weber: Westend, Aviva Verlag, 319 Seiten, 19,90 Euro.