Klassik-Kritik

Barenboim kämpft um den Ruf von Liszts „Prélude"-Fanfare

Beim Konzert seiner Staatskapelle in der Philharmonie griff Daniel Barenboim nicht einzig zum Taktstock, sondern auch, nicht weniger überzeugend, zur Feder.

Er schrieb im Programmheft einen Artikel, warum er die lange verpönten „Les Préludes“ von Franz Liszt dirigiere. Sie seien schließlich völlig schuldlos in den ihnen nun schon Jahrzehnte lang anhängenden Misskredit geraten. Die Nazis hatten die markante „Préludes“-Fanfare zweckentfremdet. Sie ließen sie von Kriegsbeginn an ihren Siegesmeldungen im Rundfunk voranklingen. Barenboim bemühte sich nun, dem einst sträflich missbrauchten Stück seine alte ehrwürdige Reputation zurückzugeben, auch wenn das vielleicht nicht auf Anhieb gelingt. Vorausgeschickt hatte er in seinem Programm einen Bestseller der Musikliteratur für Geige: das für Joseph Joachim komponierte Violinkonzert von Johannes Brahms. Barenboim legte es in die Hände von Lisa Batiashvili und konnte seiner Solistin am Ende eigentlich nur noch dankbar und bewundernd die Hände küssen.