Klassik-Kritik

Ein Experiment: Die „Next Generation“ stellt ihren „Ring“ vor

Klaus Geitel

„Weißt du, wie das wird?“, singen die Nornen in Wagners „Götterdämmerung“, wiederholt fragend, einander zu.

Sie wissen es nicht, genauso wenig wie die Intendanz der Deutschen Oper, als sie „Der Ring: Next Generation“ in ihr Programm aufnahm. Umso größer die Freude und Erleichterung, als das schier andächtige Publikum im annähernd ausverkauften Haus der Aufführung am Ende einen Triumph von Bayreuth-Format bescherte. Es lohnt sich also doch das Unübliche zu riskieren, und unüblich war in dieser hundert pausenlose Minuten währenden Aufführung so ziemlich alles, bis auf die wenigen eingeschobenen waschechten Wagner-Zitate.

Die Deutsche Oper hatte sie wagemutig in Auftrag gegeben und sah sich dafür reich belohnt. Sie hatte die Aufführung als „Jugendprojekt“ ausgeschrieben, in drei Teile mit den verheißungsvollen Titeln „Die Welt“, „Die Liebe“ und „Das Neue“ gegliedert und die Aufführung sechzig Schülerinnen und Schülern übertragen, darüber hinaus der jungen Komponistin Alexandra Holtsch, die alle verwendeten Wagner-Schnipsel durchaus überzeugend zusammenbrachte und sie Wagners-Musik dramatisch pfiffig einspeiste.

Sie konnte sich dabei auf das durchaus Wagner erfahrene Orchester der Oper unter dem wendigen und aufmerksamen Moritz Gnann stützen, auf eine recht bescheiden dreinmeckernde Combo, den Choreographen Emmanuel Obeya, der mit den Körpern der Tänzer, soweit man ihren hübschen Auftritt nicht bloß als gymnastisches Gekrabbel ansehen wollte. Es verstand immerhin zu gefallen. Die „Next Generation“ verstand es durchaus, träumen zu machen, wenn auch nicht gerade immerfort von Wagners „Ring“. Diese Anstöße zum Träumen kamen immer wieder überraschend von liebevoll leichter Hand. Robert Lehniger, der Regisseur, hielt alles aufs Sehenswerteste in Gang. Dazu dienten die Projektionen der jungen Großgesichter über dem Bühnengeschehen. Man sah der angekündigten „Next Generation“ also ausdauernd ins Gesicht. Welch’ reine Freude.