Konzert

Eine Berghain-Nacht mit Thom Yorkes „Atoms for Peace“

| Lesedauer: 2 Minuten
Frédéric Schwilden

Stille füllt den Raum zwischen den drei freischwebenden Projektionsflächen in der oberen Etage des ehemaligen Heizkraftwerks, in dem jetzt das Berghain ist.

Keine Musik. Kein Reden. Kein Klirren der Gläser. Keine schniefenden Nasen. Kein Klatschen. Dunkle, geheimnisvolle Stille. Es ist kurz vor zehn an diesem Abend. Eigentlich viel zu früh, um überhaupt auf die Idee zu kommen, in dieser Stadt etwas zu erleben.

So nah werde man ihm nie wieder kommen, meint einer zu einem Bekannten. Und der meint Thom Yorke. Diesen schmalen Briten, der seit einiger Zeit Pferdeschwanz trägt und sonst bei Radiohead singt. Heute soll der mit seinem Freund Nigel Godrich ein DJ-Set spielen. Wobei Yorke auch singen wird und dazu Gitarre spielt. Zusammen haben sie diese Band „Atoms For Peace“ gegründet. In der spielt zum Beispiel auch noch der Bassist Flea der Red Hot Chili Peppers mit. Supergroup wird so eine Konstellation dann gerne genannt. Weil die einzelnen Mitglieder dieser Band mit ihren anderen Bands sehr erfolgreich waren. Deswegen klatscht man ein „Super“ vor Band. Wobei das Quatsch ist, dass solche Bands grundsätzlich super sind.

Normalerweise sind Atoms For Peace zu fünft. Heute Abend stehen nur Yorke und Godrich auf der Bühne. Der Saal ist inzwischen voll, aber nicht so voll wie zur richtigen Tanzzeit morgens um halb vier. Die beiden spielen so ein DJ-Set. Der Eintritt kostet dreißig Euro. Ganz schön viel. Und Yorke singt wundervolle Kopfstimmenarien während Godrich Synthesizer tuckern lässt. Der Hintergrund sieht aus wie eine iPod-Werbung, so eine Videoinstallation mit Kreisen, die vor schwarzem Hintergrund zu Quadraten werden. An einem Pfeiler mit Blick auf die Bühne steht Steven Malkmus von der Band Pavement. Und der Typ vom deutschen Plattenlabel von „Atoms for Peace“ meint noch, dass die Zeit mit den harten Sachen vorbei ist. Yorke spricht jetzt mit den Walen, eine nervöse Gitarre zittert beim siebten Song „Before Your Very Eyes.“ Und die Nacht beginnt.