Film

Allein gegen die Mafia: Regisseur Damiano Damiani gestorben

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Gerhard Midding

Von dem sizilianischen Schriftsteller Leornardo Sciascia lernte Damiano Damiani, dass man den Schurken stets die besseren Dialoge geben muss.

„Sicher kommt er sich noch sehr lebendig vor“, sagt der Mafiaboss Don Mariano in „Der Tag der Eule“ über seinen Gegenspieler Capitano Collodi, den Polizisten aus dem Norden. „Aber für mich ist er ein toter Mann.“

Mit der Sciascia-Verfilmung „Der Tag der Eule“ fand Damiano Damiani 1968 zu seinem wesentlichen Erzählterrain, dem Mafia-Thriller. Beharrlich folgte er fortan dem Erzählmodell. Stets kommt ein moralisch unbefleckter Idealist aus Norditalien (meist gespielt von Franco Nero) in den Süden, um den Sumpf der Verstrickung von organisiertem Verbrechen, Politik und Wirtschaft trocken zu legen.

Der 1922 bei Pordenone im norditalienischen Friaul geborene Regisseur hatte Kunst studiert und als Comiczeichner gearbeitet, bevor er zum Film kam. Bekannt wurde er durch Verfilmungen von Vorlagen des Schriftstellerpaares Elsa Morante („Insel der verbotenen Liebe“) und Alberto Moravia („Die Nackte“, mit Horst Buchholz und Bette Davis), mit denen er eng befreundet war. Mit „Töte Amigo“ (1967) legte er einen der ersten Italowestern vor, die sich um politische Relevanz bemühten. Sein größter Erfolg aber war die TV-Serie „Allein gegen die Mafia“. 1984 hatte sie in Italien rekordträchtige Einschaltquoten von bis zu 65 Prozent. Im Süden waren es allerdings nie mehr als 12.

Er war in vielen Genres versiert. „Nobody ist der Größte“ war 1975 ein erstaunlicher Komödienerfolg beschieden; 1982 folgte er dem Ruf Hollywoods, um die Fortsetzung von „The Amityville Horror“ zu drehen. Damiani war ein Genreregisseur mit politischem Bewusstsein. Er zielte auf die emotionale Beteiligung des Zuschauers. Entfesselte Zooms stellen die Machtverhältnisse klar, groteske Weitwinkelaufnahmen lassen keinen Zweifel daran, wer die Drahtzieher sind. 2002 zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück. Bereits am Donnerstag starb er 90-jährig in Rom.