Interview

„Was soll ich machen? Einfach herumsitzen und nichts tun?“

James Franco spielt den Zauberer von Oz. Aber nicht nur das

Er ist der Tausendsassa Hollywoods. Der er Schauspieler James Franco, 34, schreibt Kurzgeschichten und Gedichte, dreht selbst Filme und studiert Lyrik. Nebenbei eröffnete er eine Soloausstellung mit eigenen Werken, die noch bis heute in der Galerie Peres Projects in der Karl-Marx-Allee 87 zu sehen ist. Nun spielt er den Zauberer in Disneys 3D-Kinofilm „Die Fantastische Welt von Oz“ zu sehen. Ein Quacksalber oder ein echter Magier? Thomas Abeltshauser hat mit ihm gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Mr. Franco, der Zauberer von Oz ist ein egozentrischer Aufschneider, der allen was vormacht. Klingt fasst wie die Jobbeschreibung eines Schauspielers, oder?

James Franco:

Witzig... Sicher gibt es Kollegen, die so sind. Aber Oz hat noch viel mehr von einem Schauspieler oder Regisseur. Er ist ein Magier und ein Unterhalter. Er ist natürlich kein echter Zauberer, aber er verkauft Illusionen. In dem Sinn ist er wie heutige Filmemacher. Wenn er nach Oz kommt, in dem echte Hexen mit ganz realen Zauberkräften herrschen, muss er so tun, als ob er auch ein echter Magier wäre. Das ist genau das, was wir Filmemacher auch tun. Wir erschaffen eine Illusion und ziehen die Zuschauer in eine virtuelle Welt, die das Publikum zumindest für die Dauer des Kinobesuchs für real hält.

Das Original „Der Zauberer von Oz“ mit Judy Garland gilt für viele als Filmklassiker. Waren Sie nicht skeptisch, als Sie von der Neuauflage hörten?

Haben Sie Zeit? Dann erzähle ich Ihnen die ganze Geschichte. Ursprünglich sollte Robert Downey Jr. die Rolle spielen, aber er und Sam Raimi, der Regisseur kamen nicht ganz klar. Sam hatte ihm eine kleine Bohnenpflanze als Geste fruchtbarer Zusammenarbeit geschenkt. Doch als er zu einer Probe in Roberts Haus kam, sah er das Pflänzchen vertrocknet in einer Ecke stehen. Das machte wohl keinen guten Eindruck und man trennte sich wieder.

Dann fragte Sam Raimi Sie...

Wir kannten uns ja von den „Spider-Man“-Filmen. Als Kind war ich Kind Riesenfan der „Oz“-Bücher von L. Frank Baum, ich habe sie damals verschlungen. Aber ich war skeptisch, klar. Das Original ist sehr theatralisch, ein Musical mit einem Mann in einem Löwenkostüm und einem anderen als Blechdose verkleidet, und das macht auch den Charme dieses Films aus. Aber mit der Technologie von heute konnte eine dreidimensionale Welt entstehen, die einen völlig in ihren Bann zieht.

Einfach nur als Schauspieler zu arbeiten ist dagegen zu fad ?

Mir macht es immer noch Spaß. Die Schauspielerei ist das Zentrum, nur dadurch bin ich in der Lage, all die anderen Sachen zu machen. Weil ich als Schauspieler mittlerweile etabliert bin, habe ich die Chance, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich bewundere – Künstler wie Paul McCarthy oder Douglas Gordon. Ich glaube, erst mein Status als Filmstar gibt mir den Zugang zu diesen Leuten, erst dadurch wollen auch sie mit mir arbeiten.

Haben Sie bei Ihrem Tanz auf allen Hochzeiten keine Angst, dass die Leute Ihrer überdrüssig werden?

Klar bin ich mir dessen bewusst! Aber was soll ich machen? Einfach herumsitzen und nichts tun? Glauben Sie mir, ich halte sehr vieles zurück, es gibt haufenweise Werke von mir, die nie jemand zu Gesicht bekommen hat.

Gibt es was in Ihrem Alltag, das nichts mit Kunst oder Selbstdarstellung zu tun hat?

Ich habe Katzen, mit denen ich spiele und die ich streichle. Das ist nicht sehr kreativ und da schaut auch keiner zu.