Kunst

Alte Meister, bekannte Gesichter

Der Berliner Fotograf Josef Fischnaller hat berühmte Gemälde mit Prominenten neu inszeniert – Eine Ausstellung in der Galerie Friedemann-Hahn

Noch eben waren da die Pension Ariane und Lady Nina in der ersten Etage. Aber nur eine Straße weiter, in der Wielandstraße 14, kann es die Andrea Sawatzki nicht lassen, einen so richtig von oben herab anzuschauen. Na gut, ist ja auch irgendwie ihr Reich hier. Charlottenburg. West-Berlin, die Boutiquen, die Paris Bar sind nicht weit. Jedenfalls schaut sie aus dem Foto, das in der Galerie Friedmann-Hahn an der Wand hängt, und das der Fotograf Josef Fischnaller aufgenommen hat. Das ist ein Bomben-Bild.

Für seine Ausstellung „Queens, Kings & Other Friends“ hat der gebürtige Österreicher Freunde, Bekannte und Prominente, wobei die Abgebildeten häufig alles drei gleichzeitig sind, in sein Atelier gebeten und sie nach dem Vorbild der Alten Meister wie Caravaggio, Leonardo oder Raffael inszeniert, aber eben nicht gemalt, sondern fotografiert.

Fischnallers Bilder sprechen zum Betrachter. Sicher, die Inszenierung ist quasi-ironisch. Die Sawatzki als Königin von England, Punkernietenarmbänder um die schmalen Handgelenke, Sicherheitsnadeln als Prachtornament vor den Brüsten. Unter dem Geschenkpapierkleid – ist es eigentlich von Glööckler? – dann noch das Konterfei von Queen Elisabeth II, wie es die Sex Pistols als Plattencover verwendeten. Aber mal ehrlich, ist das nicht so ein Bild, das sich die Abgebildeten dann beim dritten Champagner in der Paris Bar gegenseitig zeigen und angeschickert dazu kichern?

Man muss sich doch fragen, welche künstlerische Qualität in ausschließlich selbstreferentieller Arbeit steckt, die für außenstehende Nicht-Angehörige der Westberliner Sozietät nicht direkt nachvollziehbar ist.

Der Vergleich von „Hieronymus“ im Original von Caravaggio mit der Fotografie von Fischnaller zeigt, dass man dem Österreicher unrecht täte, würde man ihn als bloßen Gefälligkeitsfotografen der Porträtierten abstempeln. Wir blicken also auf Hieronymus, den Kirchenvater. Im Original übersetzt er gerade die Bibel vom Hebräischen ins Lateinische. Er schaut nicht nach oben. Da sind nur drei Bücher auf dem Tisch. Am linken Bildrand der Totenschädel. In der Hand hält der Gelehrte ein Zeichengerät.

Fischnallers Leistung besteht nun darin den Hieronymus in die Moderne zu übersetzen. Mit seiner Frau, der Kostümbildnerin Nicole Fischnaller hat er die aufregenden Verkleidungen und Bilder erarbeitet. Der moderne Hieronymus hält anstelle des Stifts ein iPhone in der Hand und der Knochenkopf ist zu einem Hirst'schen Glitzerding geworden. Und die Bibel von heute heißt natürlich Vogue. Anstelle des Tisches stützt sich Fischnallers Hiernoymus auf dutzende Ausgaben des Modemagazins. Manchmal erinnern die Frauen darin tatsächlich an glitzernde Gebeine.

Die Arbeiten des Fotografens, der seit 2007 sein eigenes Fotostudio in Berlin unterhält, verbergen unter ihrer zweifelsohne kumpelhaften Oberfläche der Anbiederung eine verspielte Tiefe, die mit der Symbolik der Alten Meister radikal respektlos – und das ist positiv gemeint – umgeht.

So ist es Vergnügen den Orden von King Henry VII beim Nähertreten als Zitronentartlette zu enttarnen. Modell stand übrigens Stefan Ruzowitzky, ein österreichischer Regisseur, der 2008 für seinen Spielfilm „Die Fälscher“ sogar einen Oscar bekam. Es ist ein Vergnügen am Unterlippenpiercing von Fischnallers Mona Lisa „Dina Alisah“ Anstoß zu finden, weil, mal ehrlich, so ein Ring da sieht einfach grässlich aus.

Im Hintergrund stehen die Abhöranlagen vom Teufelsberg. Dina Alisah hat diesen Blick schon ganz gut drauf. Lächelt sie jetzt oder hasst sie einen? Fischnaller jedenfalls stößt darauf erstmal in der Bar an.

Galerie Friedmann-Hahn, Wielandstr. 14, Di bis Fr 12-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr