Ausstellung

Kehraus in Mitte: Die C/O Galerie verabschiedet sich

Bis Freitag sind noch Fotos zu sehen. Am Sonnabend ist das Postfuhramt leer, dann gibt’s Party mit Screening, Bar und Dancefloor

Nun heißt es aber wirklich adios. Viele politische Querelen und immer wieder kein Vertrag: Gefühlte drei Mal hat sich die Fotogalerie C/O schon verabschiedet aus dem alten Domizil im Postfuhramt, in der Hoffnung auf eine neue Unterkunft. Nun gibt es endlich eine Zukunft – und die heißt Amerika-Haus. Das „Kind aus Mitte“ zieht um in den alten Westen, mit einem festen Mietvertrag und einer Laufzeit von 16 Jahren. Eröffnung soll im Herbst sein, die Eröffnungsschau steht noch aus. Vielleicht wird es in der Zwischenzeit noch eine oder zwei Pop-Up-Ausstellungen geben, aber genau weiß das noch keiner. Die ersten Mitarbeiter sind bereits ins Containerbüro am Amerika-Haus umgezogen. „Voller Aufbruchsstimmung“ sind sie, heißt es. Dennoch wird es in den letzten zwei Tagen melancholisch werden, wenn nach sieben Jahren Schluss ist an diesem historischen Ort, der im touristischen Zentrum der Stadt liegt.

Nun wird erst einmal gefeiert, an diesem Sonnabend können alle, die Lust haben einen allerletzten Blick ins Postfuhramt werfen. Und da das imposante Eckgebäude an der Tucholskystraße immer mehr war als nur ein Fotohaus, offen für Kultur, Events und Partys – vom Cookies Club über die zweite Berlin Biennale – verabschiedet sich das C/O-Team standesgemäß mit einer „Bye, Bye Mitte“-Party. Das Haus wird komplett leer sein, ganz ohne Fotos an den Wänden. Dann hat die morbid-bröckelnde Architektur, die so manche charmante Kulisse bot, noch einmal ganz allein ihren Auftritt. Dafür soll es ganz viele Screenings geben, drei Bars und zwei Dancefloors, dort werden DJs wie Daniel Wang (Balihu) und Jasmin Jakob (Exzess All Areas) ordentlich einheizen. Wenn die Zahlen bei Facebook stimmen, hatten sich gestern exakt 10.967 Personen angemeldet. „Die Leute wollen sich vom Gebäude verabschieden. Die Emotionen gehen hoch“, erzählt Sprecher Mirko Nowak.

Das C/O-Team wird bereits die Ordner und Restkataloge eingepackt haben, zufrieden können sie allemal sein mit der Bilanz: Über 900.000 Besucher in zehn Jahren, rund 30.000 Besucher pro Jahr. 250 Vorträge, Filme, Diskussionen. Fast 20.000 Schrauben für die Hängung von Bildern, 6000 Liter Farbe für die Wände. Gründer Stephan Erfurt, einer von drein, bekam für das ausschließlich private Engagement das Bundesverdienstkreuz. Vergessen wir nicht die Vielzahl an qualitätsvollen Ausstellungen, pro Jahr etwa 15: Robert Mapplethorpe, Nan Goldin, Annie Leibovitz, Peter Lindbergh, Martin Parr und Sybille Bergemann (siehe Fotos), um nur eine Auswahl aus den besten zu treffen.

Zum Schluss gab es eine Wiederentdeckung mit dem Schweden Christer Strömholm, der mit der Kamera durch die Welt vagabundierte, dabei ganz unverwechselbare Porträts schoss. Endspurt für all jene, bis Freitagabend sind die Aufnahmen noch zu sehen.

C /O Berlin, Oranienburger Str. 35, „Bye Bye Mitte“-Party. 9. März, ab 21 Uhr. Eintritt 3 Euro.