Ausstellung

Honoré Daumier: Ein Genie wird ausgestellt

Der französische Künstler im Max-Liebermann-Haus

„Daumier ist herrlich!“ war das begeisterte Urteil von Max Liebermann über das Schaffen des französischen Künstlers Honoré Daumier (1080-1879), der fast ein halbes Jahrhundert vor ihm wirkte. Liebermann hielt Daumier für den größten Künstler des 19. Jahrhunderts, in seinen Augen war er ein „Genie“. Diese Euphorie Liebermanns war weit mehr als nur gepflegter Beifall, sie war Ausdruck einer Passion, die sich vor allem in einer regelrechten Sammelwut von Daumiers Werken niederschlug, von denen schließlich über 3000 Lithographien, 22 Handzeichnungen und ein Ölgemälde im Besitz des Berliner Künstlers befanden.

Das Ölbild und zwei Zeichnungen davon sind in einer umfangreichen Daumier-Ausstellung mit über 100 Werken im Max Liebermann Haus zu sehen. Vertreten sind neben den bekannten politischen Karikaturen und den Sittenbildern auch etliche Ölgemälde und Bronzen, die das Werk Daumiers in seiner ganzen Vielfalt dokumentieren. Seit „80 Jahren ist hier nicht mehr der Versuch unternommen worden, den ganzen Daumier, den Totalkünstler’ angemessen zu würdigen. Das gängige Bild vom Künstler wird beherrscht von dem genialen Karikaturisten, der ebenbürtige Maler, Zeichner, Bildhauer ist viel weniger bekannt“, erläutert Monika Grütters, Vorstand der Stiftung Brandenburger Tor. Während Daumier in Frankreich durch seine Karikaturen bekannt war, wurde er in Deutschland als einer der größten Künstler seiner Zeit gehandelt .

Zu Recht, denn Daumiers Werke zeigen ihn als einen vielseitigen Künstler, der sich mal mit politischem Scharfsinn, mal mit satirischem Witz nähert: der selbstgerechten politischen und gesellschaftlichen Elite, den kleinen Leuten auf der Straße, der Figur des Künstlers und der des Don Quichotte als gebrochenem modernen Helden sowie literarischen Themen und Figuren wie dem eingebildeten Kranken. Für seine politischen Kommentare ist Daumier berühmt geworden, seine Streitbarkeit brachte ihn sogar für 6 Monate wegen Majestätsbeleidigung ins Gefängnis, weil er König Louis Philippe als Gargantua (1931) dargestellt hatte, als Staatsgelder verschlingenden unersättlichen Vielfraß.

„Daumier ist ungeheuer!“ bis 02.06. Mo, Mi, Do, Fr 10-18 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr. Max Liebermann Haus, Pariser Platz 7