Zensur

Razzia in Moskau bei kritischem Theaterspektakel

Mit einer Razzia hat die russische Ausländerpolizei die Gerichtsshow „Die Moskauer Prozesse“ um die Freiheit der Kunst des Schweizer Regisseurs Milo Rau am Sonntag für mehrere Stunden unterbrochen.

Vier Uniformierte in den weinroten Westen des Migrationsdienstes kamen unerwartet in das Sacharow-Zentrum in Moskau und überprüften die Papiere von Rau. Der Regisseur sprach von „absurden Vorwänden“ und einer „mühsamen Unterbrechung“. „Das zeigt, wie es ist“, sagte Rau. In seiner Show befasste er sich auch mit dem international umstrittenen Gerichtsverfahren gegen die kremlkritische Frauenpunkband Pussy Riot. Zwei Künstlerinnen der Gruppe sitzen im Straflager. Auch Kosaken, die für eine Ordnung nach zaristischer und russisch-orthodoxer Tradition eintreten, störten die Vorstellung. Später sorgten Einsatzkräfte der Sonderpolizei OMON für Ruhe bei der Veranstaltung, wie Medien berichteten. Die in der Gerichtsshow anwesenden Juristen kritisieren das Vorgehen der Mitarbeiter der Ausländerbehörde als unverhältnismäßig. Rau sprach von einem fast typischen Vorfall bei für den Staat unliebsamen Kunstprojekten. Dagegen verteidigte der Migrationsdienst den Sonntagseinsatz.