Konzertkritik

Midori: Das Jubiläum des Klassikstars wird zur Kraftanstrengung

Die Geigerin Midori feierte an diesem Freitag ihr 30-jähriges Bühnenjubliäum mit einem Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie.

Doch während sich draußen an diesem Tag erstmals die Sonne zeigte, herrschte im Konzert noch Winterschlaf. Nicht nur, dass der Saal bis auf Block A gähnend leer war, auch das auf der Bühne Dargebotene war energielos. Dabei ist das Programm, das Midori zu ihrem Jubiläum zusammenstellt, anspruchsvoll und abwechslungsreich zugleich: Drei Beethoven-Violinsonaten, eine Bachsonate und eine Sonate von Brahms.

Dennoch ist die Umsetzung der Werke wenig aufrüttelnd. Midori setzt eher auf leise Töne und kurz gehaltene Melodiebögen als auf eine spannende musikalische Erzählung. Schließt man die Augen, klingt die Geige gepresst und verbissen. Öffnet man die Augen, wird klar, warum: Midori benutzt selten den ganzen Bogen, sie artikuliert die Töne vorwiegend in der unteren Hälfte. Das fällt besonders in der „Frühlingssonate“ von Beethoven auf. Hier sollen eigentlich die Trillerfiguren an zwitschernde Vögel und die lang geführten Melodiebögen an Spaziergänge durch die Natur erinnern. Doch Midori erlaubt dem Klang ihrer Guarnerius del Gesù-Geige nicht, sich zu entfalten. Ihre Bogenführung lässt dem Ton einfach keine Luft. Tief über die Geige gebeugt spielt sie, als fühle sie sich nicht wohl in ihrer Haut.

Das liegt aber auch ein wenig an ihrem Klavierpartner. Aydin Özgür, der Midori seit 2009 regelmäßig begleitet, wirkt angespannt. Er bietet keine gute Grundlage für einen schwelgerischen Ton für die Geige. Das macht es der Solistin schwierig, sich auf diesen Abend, der doch ihr gewidmet ist, wohl zu fühlen. Sie kann es nicht genießen. Stocksteif steht auf der Bühne, wirkt gefangen, verloren. Keine ausgelassene Jubiläumsfeier also, sondern eine Anstrengung. Schade.